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Internationale Kommunikation – Podcast von Petra Owen mit Irina Slot

Irina im Gespräch mit Petra Owen: live über das Telefonieren und über internationale Kommunikation

In einer weiteren Folge von Petra-on-Tour geht es heute im Gespräch mit Irina Slot um die Funktion der nicht-persönlichen Kommunikation:
Was ist da anders als im Gespräch face-to-face, wo ja das Thema Distanz eine große Rolle spielt (im englischen Sprachraum ist z.B. ein gewisser räumlicher Abstand zwischen den Teilnehmern unabdingbar)?

Für uns in Deutschland ist die E-Mail seit langem schon das selbstverständliche Mittel der Kommunikation, speziell im Geschäftsleben. Ist das in China oder Russland auch so?
Warum ist für Irina Slot die E-Mail eine der „schlimmsten Formen“ der virtuellen Kommunikation? Was für uns selbstverständlich ist, muss in einem anderen kulturellen Koordinatensystem nicht so sein … da spricht sich die erfahrene Dozentin und Referentin für interkulturelle Kompetenz ganz entschieden für ein Vorab-Telefonat aus.

Und wie ist das mit einem Dialekt oder Akzent beim Telefonieren? Ist der immer von Nachteil? Oder kann solch eine Tatsache nicht auch zu einer Art Merkmal werden?

Hört mehr darüber in der aktuellen Folge – auch darüber, in welchem Zeitraum die Beantwortung einer E-Mail erwartet wird … das ist nämlich von Land zu Land durchaus verschieden!

Viele Hörer von Guerrilla FM fanden diese Folge amüsant und sehr nützlich zugleich, und Sie?

Zu hören und zu kommentieren hier.

Quellen: www.GuerrillaFM.de; Fotorechte: Roman Leytus

Ingenieure, Soziologen und berufskulturelle Überlegungen

„Die Ingenieure des Jihad“ (Engeneers of Jihad) heißt das Buch des britischen Soziologen Diego Gambetta und des Politologen Steffen Hertog. Schon der Titel verschlägt einem den Atem, und die quantitativen Erkenntnisse darin – umso mehr. Wenn auch nicht alle Terroristen einen Hochschulabschluss haben (z.B. die Täter der Attentate auf Charlie Hebdo und den koscheren Supermarkt in Paris haben nicht mal einen Schulabschluss), überwiegt unter den Hochschulabsolventen die Anzahl der Ingenieure: „Von 207 muslimischen Radikalen aus den muslimischen Ländern, deren Beruf bekannt ist, haben 93 (oder 44.9%) Ingenieurwesen studiert, im Vergleich zu 11,6% des Anteils der Hochschulabsolventen in der Gesamtbevölkerung. Von 71 muslimischen Radikalen, die aus dem Westen kommen und deren Hochschulbildung bekannt ist, haben 32 (45%) einen Ingenieur-Titel im Vergleich zu 16,2% des Anteils der Ingenieure unter den in Westen vergebenen Hochschulabschlüssen“ (unsere Übersetzung).

Die Autoren des Buches geben auch eine weitere interessante Statistik kund, die nachweist, dass zumindest für die arabische Welt die Aussage „Arbeitslosigkeit führt zum Radikalismus und Terrorismus“ widerlegt: von 497 Militanten in der muslimischen Welt haben 46,5% einen Hochschulabschluss – im Vergleich zur entsprechenden Quote für die Gesamtbevölkerung von 25,2%. Speziell für Ingenieure bedeutet das für die Autoren, dass nicht die soziale Situation als solche, sondern die Diskrepanz zwischen der eigenen hohen Erwartung und der ernüchternden Realität ihrer sozialen Situation zur Radikalisierung in diesem Feld führt.

Doch im Blog für kulturelle Fragen beschäftigt uns sicherlich in erster Linie die Frage nach der Berufskultur. Hat Hillary Clinton die Ingenieure am Beispiel von Mursi des linearen Denkens bezichtigt (http://www.interkulturell.eu/2014/unsere-antwort-an-hilary-clinton/), vermuten die Autoren des o.g. Buches, dass Denken in Formeln und nicht das ständige Hinterfragen des Vorgegebenen (wie in ihren Studienfächern) die Menschen leichter radikalisieren lässt. Klingt plausibel, zumindest für die Soziologen, doch für Ingenieure – eher beleidigend. In diesem „Kulturkonflikt“ gibt es ja kaum Zwischengänger, die beide Denkweisen miteinander vergleichen könnten, wie es sie hingegen zwischen den Ingenieuren und BWLern oder zwischen den Soziologen und Politologen gibt.

An eine Ausnahme muss ich dabei unwillkürlich denken: der Guru des Interkulturellen Managements Geert Hofstede wird für seine „mechanische und oberflächliche“ Ländervergleiche von „Kollegen“ heftig kritisiert. Und er muss das Geheimnis seiner professionellen Herkunft hüten. Denn bevor er seine Doktorarbeit in der Soziologie schrieb, wurde er als Schiffbau-Ingenieur ausgebildet. Damit wird es klarer, warum er es sich zum Ziel gesetzt hat die Kulturdimensionen so zu formulieren, dass der quantitative objektive Vergleich möglich wurde (www.geerthofestede.nl) – im Vergleich zu den qualitativen Kulturdimensionen seines Vorgängers, dem US-amerikanischen Soziologen und Anthropologen Edward T. Hall (www.edwardthall.com). Und vielleicht erklärt dies auch ein wenig, warum seine Kulturdimensionen – bei aller berechtigten wissenschaftlichen Kritik – so gut in der Praxis funktionieren, von den Praktikern (nicht nur Ingenieuren, sondern auch Medizinern, Managern und Juristen) angenommen und verwendet werden, und tatsächlich zur besseren Zusammenarbeit zwischen den Menschen verschiedenster Herkunft führt.

Doch auch für den hier vermuteten Kulturkonflikt zwischen dem Objekt des Buches und den Subjekten der Autoren hilft: die „Kulturelle Brille“ wenn nicht ablegen, dann aber wahrzunehmen, einander kennenzulernen, sich von verschiedenen Perspektiven nicht abschrecken zu lassen, sondern von ihnen zu profitieren.

Internationale Verhandlungen

WP_20141228_09_38_35_ProGanz viel Akzent als Übung für den interkulturellen Dialog, einige Gedanken zum interkulturellen Management und viele Tipps für das erfolgreiche Führen internationaler Verhandlungen finden sich hier im Podcast Folge 348 mit der Guerrilla Marketing Group!

GFM Folge 348 – Internationale Verhandlungen

Viel Spaß beim Hören und viel Erfolg beim Umsetzen wünscht

Irina Slot

 

 

 

 

Vielfältige Vielfalt

Im Andenken an Frau Professor Gertraude Krell

Der Begriff „Diversity“ erlebt schwierige Zeiten: Abneigung gegen Anglizismen, Ermüdung durch Wiederholungen, ja Argwohn aufgrund vieler schöner Broschüren und Webseiten zu diesem Thema. Dazu kommt, dass jeder Diversity-Beauftragte und Diversity-Forscher bestimmte Schwerpunkte setzt, die oft mit der eigenen Prägung verbunden sind – ganz nach dem Motto „Mein Diversity-Faktor ist der wichtigste“, wohl weil die selbst erlebte Diskriminierung am furchtbarsten erscheint.

Die Autorin dieses Textes betrachtet sich dahingehend aber durchaus selbstkritisch: „Rein zufällig“ beschäftigt sie sich als Migrantin mit kulturellen Prägungen durch die jeweilige Herkunft, und mit interkultureller Kommunikation über die Landes- Religion- und Sprachbarrieren hinweg. Und „rein zufällig“ ist das Thema ihrer aktuellen Forschung „Berufliche Erfolgsfaktoren von Frauen mit Migrationshintergrund“.

Doch die Mechanismen der direkten und der latenten Diskriminierung wegen verschiedener „Diversity-Faktoren“ ähneln sich. Dies gilt auch für die Reaktionen der Betroffenen: sie nehmen meist die ganze Palette der Möglichkeiten ein, vom Kämpfen über das Resignieren bis hin zum Verleugnen. Können aber auch die „Heilmittel“ alle gleich sein? Egal, ob es um Herkunft, Religion, Gender, sexuelle Orientierung, Alter, Behinderung geht?

Die Pionierin der Diversity-Forschung in Deutschland, Gertraude Krell, hat es geschafft, eine fächerübergreifende Beschäftigung mit dem Thema Gender zu etablieren: Aus der Ecke der Soziologie und der Psychologie bugsierte sie das Thema in die Wirtschaftswissenschaften, in die Personalführung und in die Pädagogik. Wir, ihre „Erben“, sollten nun ebenfalls die Schubläden der verschiedenen Diversity-Faktoren verlassen und selbst Vielfalt leben, denn nur VIELFÄLTIGE VIELFALT verspricht Innovationen durch das damit verbundene vernetzte Denken, und gewinnt somit Glaubwürdigkeit in den Augen der Adressaten unserer Botschaften … und bereitet allen Seiten – ganz im Sinne von Frau Krell (s. Foto unten) – Riesenspaß und große Freude.

(Foto: FU Berlin)

krell

 

OSZE Deutschland Dialog

 

Steinmeier„Kultur des Dialogs – Dialog der Kultur“ – unter diesem Motto fand am 12. Januar die feierliche Zeremonie im Auswärtigen Amt in Berlin anlässlich der Übernahme des OSZE-Vorsitzes durch Deutschland statt. Der Untertitel „Verständigung und kultureller Austausch als Elemente von Sicherheit und Stabilität im OSZE-Raum“ und das Programm (musikalische Intermezzi und eine Podiumsdiskussion mit zwei Schriftstellerinnen und einem Philosophen) ließen keinen Zweifel daran: Bei dieser denkwürdigen Veranstaltung wird es nicht um Waffenstillstands-Kontrollen oder um militärische Konfliktlösungen gehen, sondern vielmehr um Kultur als „Waffe“ des Krisenmanagements.

Der Bundesminister des Auswärtigen sagte seine Rede trotz der jüngsten tragischen Ereignisse in Istanbul nicht ab, und er sprach auch nicht über Terrorismus und Krieg, sondern über Kultur – über jene Kultur, die Menschen jenseits der Schützengräben zusammenbringen soll: „Aus der Verschiedenheit der Herkunft entsteht Gemeinsamkeit in der Zukunft“, lautete seine Botschaft. Und: Deutschland knüpfe heute an den „Geist von Helsinki“ von 1975 an. Damals wurde unter der Ägide der Vorgänger-Organisation der OSZE, der KSZE, die Schlussakte von Helsinki zwischen den beiden deutschen Staaten verhandelt und von Helmut Schmidt und Erich Honecker am 1. August 1975 unterzeichnet.

Ob die Randnotiz der KSZE-Schlussakte über einen verstärkten kulturellen Austausch zwischen Ost- und Westeuropa zum Fall der Mauer und zur deutschen Einheit geführt hat, ist fraglich. Doch was tun, wenn Waffen als „letztes Mittel“ der Konfliktlösung nicht funktionieren? Kulturdialog, als „allerletztes Mittel“? Jawohl! Doch bitte nicht nur Ballett hier, Musikquartett da und Podiumsdiskussionen zwischen Intellektuellen dazwischen. Erstens erreichen solche elaborierten Formate nicht die breite Masse der Bevölkerung. Zweitens ist die „angelesene“ Geschichte zweier Länder, die sich im Konflikt befinden, oft selbst Teil der Konflikt-Politik – oder zumindest aufgrund seiner unterschiedlichen, oft gar gegensätzlichen Narrativen nicht sonderlich objektiv … und daher für einen konstruktiven Dialog eher hinderlich.

Was bleibt uns da als Ausweg? Letztlich nur ein Dialog der Kulturen im Sinne eines kulturÜBERgreifenden Dialogs! Denn jawohl: Mit einer solchen Philosophie der interkulturellen Kompetenz sollte es gelingen, von kulturellen Prägungen, kulturbedingten Stereotypen und einseitigen geschichtlichen Narrativen zu abstrahieren und persönliche DIAloge zu etablieren. Dann werden sicher auch fruchtbare POLYloge möglich, wie sie für die polyglotte OSZE nicht uninteressant sein sollten, und selbst interkulturelle MONOloge könnten hie und da mal nützliche Blüten treiben, um schwelende oder herrschende Konflikte zu entspannen oder gar zu lösen.

Foto: Der Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Frank-Walter Steinmeier. Archiv-Foto des IKWW vom Februar 2015.

Studenten auf der Unitreppe und am Beginn ihrer Karriereleiter

WP_20150831_19_24_22_ProDies ist die Treppe vor dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität in Berlin.

Ob das „Vorsicht Stufe“ nur ein Kunstobjekt ist oder „nur“ die Umsetzung einer Sicherheitsrichtlinie, die Wirkung darf auf die jungen Leute verheerend sein: bloß nicht zu stürmisch auf der Treppe, bloß nicht zu mutig auf der Karriereleiter, bloß nicht Stufen überspringen und nach der Uni eine eigene Existenz gründen.
Wäre dieses Fotomotiv irgendwo sonst in der Welt zu finden? Wir bitten um Zusendung der Fotos aus anderen Universitäten, die das Thema „Mentale Vorbereitung der Studierenden auf die Zeit „danach“ beleuchten können.
Eine Jury aus HR-Spezialisten und Studenten wird den Gewinnerin oder den Gewinner ermitteln. Preis: Eines der Bücher von Lucien Febvre über die Geschichte der Mentalität.

Bitte senden Sie die Fotos – gern mit Ihren Kommentaren – an: irina.slot@uni-potsdam.de

Interkulturelle Kompetenz in Wort und Bild

WP_20150501_19_16_21_ProCaptain Slot und die Crew sagen „Ahoi!“ für die zweite Hälfte des Jahres – mit Kulturdimensionen als  „Kompass“  im internationalen Verhandeln, interkulturellen Projekt- und Konfliktmanagement. 

Schauen Sie sich gern das Video auf Youtube an, teilen Sie es und schreiben Sie mir unter: info@interkulturell.eu.

 

 

 

Apropos Mario Draghi: Super Mario’s Rede wird drei Jahre alt

Seltener Fall auf diesem Blog: ein Kalenderblatt. Doch wir nehmen den dreijährigen Geburtstag der historischen Rede von EZB Chef Mario Draghi – am 26. Juli 2012  in London – zum Anlass, über den kulturspezifischen Umgang mit Schulden und Schuldenkrise zu philosophieren.

Obwohl die Experten sich einig sind, dass die damals von Draghi ausgesprochene „Whatever that takes“ unsere Währung damals – gerettet hat, ist der Banker in Deutschland nicht beliebt. Nur die Politzeitschrift „Cicero“ wagte in ihrer Januar-Ausgabe „Danke, Mario!“ auszurufen. Und bekam viel Leserpost. Sehr viel Post. Meist mit negativen Reaktionen. Unterschwellig, ist aber ständig der Vorwurf zu spüren, dass er mit seiner Geldpolitik zu viel Geld in den Markt pumpt und unsere Ersparnisse schwächt.

„Auf Pump leben“ klingt auf Deutsch eindeutig negativ, die englische Übersetzung „living on credit“ kann in keiner Weise dieselbe Verachtung dem Kreditnehmer gegenüber transportieren. Ein Kulturphänomen? Am besten lässt  die unterschiedliche Einstellung zum Kreditnehmen in der Kulturdimension „Langzeitorientierung“ von Geert Hofstede erklären (www.geerthofstede.nl). Liegt der Wert der Kulturdimension über 50, neigen die Menschen, die im jeweiligen Land sozialisiert sind dazu, heute auf etwas zu verzichten, um es morgen besser zu haben. Liegt der Wert unter 50, neigen so sozialisierte Menschen dazu, eher in dem Heute und Gestern als in der Zukunft zu leben. Der aktuelle Wert für Deutschland ist 83. Und für die USA – surprise, surpise! – 26. Die schwäbische Hausfrau steht dem windigen Cowboy unversöhnlich oder zumindest unverständlich gegenüber. Und der Wert für Spanien und Griechenland ist fast identisch: 48 und 45 und liegt fast in der Mitte der Skala zwischen dem obsessiven Sparer, der mit 100 in Südkorea vermutet wird, und eben dem obsessiven Kreditnehmer, der vielleicht in Costa Rica (Messung ergab „0“) zu finden ist.

Lagarde & DraghiUnd was sagt dieser Wert über Mario Draghi, der zwar auf eine internationale Karriere zurückblicken kann, doch seine Kindheit, also die für die Landeskultur entscheidend prägende Zeit, in Italien verbracht hat?

Die Messung auf der Scala der Langzeitorientierung für die Italienische Kultur zeigt 61. Eher sparsam, eher auf morgen setzend, doch mit 20 Punkten Abstand zum Deutschen Wert von 83, in Deutschen Augen bzw. durch die deutsche „Kulturbrille“ gesehen, eher als „leichtsinnig“ zu bewerten.

Aber es kommt noch „schlimmer“: die Geschicke der IWF, eines globalen Geldinstitutes, lenkt Christine Lagarde. Und ihre kulturelle Prägung als Französin darf in Bezug auf das Dilema „Sparen versus Kredit“ ganz auf der Linie von Mario Draghi liegen: beim aktuellen Wert für Langzeitorientierung der Grand Nation von 63 Punkten.

Happy Birthday, „whatever it takes“!

Auf dem Foto von “ The Guardian“: Christine Lagarde und Mario Draghi

 

Premiere auf youtube und überhaupt

Der Student der Universität Potsdam, Hussein Nasabieh, hat im Rahmen des Seminars „Interkulturelle Kompetenz in der Praxis“ einen Vortrag gehalten, der mit seinem eigenen und eigens dafür geschriebenen Gedicht anfing.
Freundlicherweise erlaubte er seiner begeisterten Dozentin, das Ganze aufzunehmen und zu veröffentlichen. Klicken Sie hier für das Video auf youtube.

 

 

Diversity bildlich

V__D42B[1]Ein Geflecht zeichnet sich dadurch aus, das die einzelnen Stränge nicht im Ganzen aufgehen, sondern – wohl geändert in der Form – das Ganze mitbilden.
Ungewollt, aber goldrichtig, hat Mira Menez die lebendige Vielfalt auf einem Berliner Gymnasium veranschaulicht: das indonesisch-russische Geflecht.

Nur ein Symbol? Oder ein Bild für die sich wandelnde Kultur?