Internationale Verhandlungen

WP_20141228_09_38_35_ProGanz viel Akzent als Übung für den interkulturellen Dialog, einige Gedanken zum interkulturellen Management und viele Tipps für das erfolgreiche Führen internationaler Verhandlungen finden sich hier im Podcast Folge 348 mit der Guerrilla Marketing Group!

GFM Folge 348 – Internationale Verhandlungen

Viel Spaß beim Hören und viel Erfolg beim Umsetzen wünscht

Irina Slot

 

 

 

 

Prof. Dr. K. Dominik über den „Russenversteher“

Grundauffassung zur Monographie Lütthans/Zlotina:

„Russenversteher“ (Kiehl-Verlag)

Mit der vorgelegten Monographie wird durch die Autorinnen ein grundsätzlicher und nachhaltiger Beitrag geleistet, wirtschaftspolitische, wirtschaftspraktische, wissenschaftliche und kulturelle Beziehhungen zum russischen Volk, zu den russischen Unternehmen, Einrichtungen, Organisationen und Institutionen sowie zum russischen Staat aufzubauen, zu pflegen und gezielt weiter zu entwickeln.

Vor diesem Hintergrund ist die Ausarbeitung in erster Linie für deutsch sprachige potenzielle kontakt- bzw. kooperationssuchende Unternehmen und Einrichtungen gedacht, um durch eine tiefgreifende Kenntnis der historisch gewachsenen ökonomischen, wissenschaftlichen und kulturellen Bedingungen den Aufbau unterschiedlicher Beziehungen zu Russland wirksam zu unterstützen.

Relevanz für Mittelstand

Aus dem Blickwinkel der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland sind die Darlegungen der Monographie vor allem für diejenigen Unternehmen relevant, die

 

–       den russischen Markt für ihre Produkte und ihr Leistungsangebot langfristig erschließen wollen,

 

–       den russischen Einkaufs- bzw. Beschaffungsmarkt zur Gewinnung leistungsfähiger Kooperationspartner nutzen wollen,

 

–       eine Unternehmensgründung in Russland beabsichtigen,

 

–       im Rahmen ihrer strategischen Entscheidungen zur Unternehmensentwicklung Outsourcing – Konzepte mit der russischen Wirtschaft verfolgen.

 

Da es sich hierbei überwiegend um strategische Prozesse und Entscheidungen handelt, bilden die Erkenntnisse der Monographie eine wesentliche Grundlage, derartige Projekte begründet vorzubereiten und die hierfür erforderlichen Beziehungen nachhaltig zu gestalten.

Als besonders vorteilhaft erweist sich die Gliederungsstruktur der Monographie. Für Wirtschaftspraktiker ist es vor allem wertvoll, dass die tiefgehende Gliederung das Beziehungsgefüge der Kultur sowie der Kulturdimensionen zur Wirtschaft und Wissenschaft dem Leser begründet vermittelt wird und damit spätere Arten und Formen der Kontakte und Beziehungen zu den russischen Menschen sowie den russischen Unternehmen, Einrichtungen und Organisationen entscheidend prägen können.

Russenversteher wird Multiplikatoren empfohlen

Die Fülle der Einzel- und Detailinformationen machen die Monographie zu einem Kompendium für den Aufbau und die weitere Qualifizierung deutsch-russischer Beziehungen unterschiedlicher Art. Vor diesem Hintergrund wird es für zweckmäßig angesehen und empfohlen

 

  • die Fachverbände gezielt über Ziel, Inhalt und Vorteile der Monographie zu informieren;

 

  • den Außenwirtschaftsbereich des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft direkt anzusprechen mit dem Ziel, auf entsprechenden Veranstaltungen die Monographie hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Gestaltung kooperativer Beziehungen vorzustellen;

 

  • auf weiteren Veranstaltungen der mittelständischen Wirtschaft (z. B. Unternehmerstammtische, regionale Fachveranstaltungen u. ä.) sollten die Erkenntnise der Monographie vorgestellt werden.

 

Aus den wirtschaftspraktischen Erfahrungen mit den Unternehmen der mittelständischen Wirtschaft wird es als vorteilhaft angesehen, im Zusammanhang mit dem Erscheinen der Monographie die Arbeiten weiterzuführen mit dem Ziel, modellhafte Informationsaussagen zu entwickeln, die den kooperationswilligen Unternehmer in die Lage versetzen, die erforderlichen Kontakte zu Unternehmen, Verbänden, Einrichtungen, Verwaltungen und Organisationen direkt und kurzfristig zu finden. Dazu wird empfohlen, bezogen auf die unterschiedlichen Kontakt- und Kooperationswünsche die zweckmäßigste Vorgehensweise aufzuzeigen.

 

Ausgangspunkt sollte hierbei ein Verzeichnis wichtiger Institutionen, Einrichtungen und Organisationen sein, die für eine Kontaktherstellung mit unterschiedlicher Zielsetzung von grundlegender Bedeutung sind. Danach sollten prinzipielle Vorgehensweisen dargestellt werden z. .B. für

 

  • eine beabsichtigte Unternehmensgründung in Russland (anzusprechende Verwaltungen, Einrichtungen, Berufsverbände und Banken);

 

  • eine geplante Beteiligung an einem russischen Unternehmen (dto.);

 

  • einen beabsichtigten Kauf eines russischen Unternehmens (dto.);

 

  • zur Gewinnung russischer Investoren für die deutsche Wirtschaft (dto.);

 

  • mögliche gemeinsame Forschungsprojekte (dto.);

 

  • mögliche gemeinsame kulturelle Aktivitäten.

 

Mit der Monographie wurde insgesamt ein äußerst wichtiger Schritt getan, die deutsch – russischen Beziehungen auf allen Gebieten auszubauen und nachhaltig zu entwickeln.

 

Prof. Dr. K. Dominik
Weitere Infos und Bestellmöglichkeit finden Sie hier: http://www.kiehl.de/produkte/kiehl_web_produkt_1247172.aspx

Interkulturelle Unterschiede im Business und im Garten

 Garten in Russland ist nicht Garten in Deutschland

Die Popularität des Gartens wächst in Deutschland. Neue Tendenzen wie junge Paare im Schrebergarten oder Urlaub im eigenen Haus mit Garten, ermöglichen ein rasantes Wachstum der Gartenwirtschaft. Ebenfalls ein ökonomischer Faktor ist der Garten in Russland. Nur nicht für die professionellen Gärtner, sondern auch für die Gärtner, der meistens „Datscha“ genannten Refugien.

Eine repräsentative Umfrage (www.wciom.ru) vom Juli dieses Jahres, weist 3% der Gärtner als solche aus, die ihre Arbeit im Garten für ein Zusatzeinkommen durch den Verkauf ihrer Erzeugnisse sehen. 65% begründen ihre Arbeit auf der Datscha damit, dass die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in den Läden und auf dem Markt „Chemie“ von schlechter Qualität wären. 27% der Befragten meinen durch ihre eigene Ernte sparen zu können. Was die Umfrage nicht beleuchtet, aber dafür kann ich bürgen: kaum jemand in Russland würde einen Garten zum rein ästhetischen Vergnügen anlegen.

Nutzgarten: eine Frage der Definition

Neulich hatte ich zu Besuch in Berlin eine russische Wissenschaftlerin, die in Prag arbeitet. Zusammen besuchten wir die Liebermann-Villa am Wannsee. Mit einem sarkastischen Lächeln vernahm Frau Professorin, dass der Künstler seinen selbst geplanten und nun wiederhergestellten Garten als „Nutzgarten“ bezeichnete. „Diese zwei Kleckse Beeten mit Salat und Kräutern inmitten einer großzügigen Blumenpracht soll ein Nutzgarten sein? Bei uns in Russland wäre das Unnutzgarten heißen. Oder meinte er Nutzen für seine Gesundheit, darin zu arbeiten? Hat Liebermann seinen Garten selbst bewirtschaftet?“ Klar, Arbeit in der frischen Luft ist auch nützlich für Körper und Seele. Immerhin begründen 27% der besagten Studie ihre Arbeit auf der Datscha mit der Liebe zur Arbeit mit Mutter Erde, die meisten von ihnen – Einwohner mittelgroßer Städte.

Wie oft wie weit wie lange fahren?

Bei den Bewohner der Metropolen ist es die logistische Hürde, die sie von der Erde trennt: um aus der der Moskauer Innenstadt auf die Datscha rauszukommen, brauchen sie mindestens zwei Stunden Fahrzeit, am besten Samstags früh, wenn die Wahrscheinlichkeit von Staus gering ist. Auf der Rückkehr ist Stop-and-Go vorprogrammiert. Und wie oft fahren die Russen im Durchschnitt auf ihre Datschas: 11% – ein Paar Mal im Jahr, 26% bis 6 Mal im Monat, 30% – 2-3 Mal in der Woche, 16% – fast jeden Tag und 8% verbringen den ganzen Sommer auf der Datscha. Und noch eine Zahl: 40% der Russen haben eine Datscha!

Garten und Datscha als perfektes small talk Thema und der Weg zur Geschäftsfreundschaft

Wenn das nicht DAS Thema für einen small talk im Herbst wäre? Aber bitte fokussieren Sie sich dabei nicht auf Stauden oder auf englische Wiesen. Eine bewundernswerte Tomate oder zumindest gesunde Kräutersorten findet mehr Anklang bei ihrem russischen Gesprächspartner.

So ein small talk bringt sie näher, vielleicht soweit, dass Sie schon bei Ihrer nächsten Dienstreise nach Russland auf der Datscha empfangen werden. Unbedingt die Einladung annehmen, aber bitte die richtige Kleidung für den richtigen Nutzgarten nicht vergessen! Deutsche werden in Russland als fleißig und tüchtig bewundert, enttäuschen Sie nicht diese Erwartung. Und von Luftqualität außerhalb der großen Städte und von der körperlichen Betätigung profitieren Sie ebenso.

Read more: www.interkulturell.eu

 

E Training Export

Das ist wie mit der Sendung mit der Maus: klingt kindisch, beinhaltet aber viele nützliche Informationen und fesselt einen – auch älteren Zuschauer. Genau diesen Eindruck machte auf mich ein elektronisches „Seminar“ für Export-Anfänger „eTraining Export-Vorbereitung“.

http://www.existenzgruender.de/etraining/export_vorbereitung/etraining.html
 

Jedoch empfehle ich diesen Link für Export-Anfänger und auch Export-Erfahrende unter den Leser meines Blogs. Es gibt immer etwas Neues zu erfahren und außerdem können einzelne Themen und Lektionen übersprungen werden.

Der Trainer beinhaltet vier Lektionen:

Voraussetzungen prüfen

Zielmärkte finden

Geschäftspartner und Vertrieb

Finanzieren und Versichern

Der Herausgeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Referat Öffentlichkeitsarbeit; es zeichnet verantwortlich für die Aktualität der Informationen. Die Lernmethode ist leicht verstaubt, aber ´was soll`s!

Wichtige Informationsquelle: gtai

Viel weniger verstaubt sind Informationen, die Korrespondenten des „Germany Trade & Invest“ vor Ort sammeln. www.gtai.de. Diese staatlich finanzierte Organisation unterstützt ausländische Unternehmen bei ihrer Ansiedlung in Deutschland und deutsche Unternehmen im Ausland. Das Netz der gtai-Korrespondenten ist dicht und hochwertig. Es gibt höchst qualifizierte Experten in China, aber auch auf Kuba. Die Zeitschrift „Markets“ ist nicht kostenlos aber interessant und aktuell.

Interkulturelle Kompetenz für Wirtschaft und Wissenschaft IKWW

Und: ich arbeite weder für das Wirtschaftsministerium noch für gtai, sondern für IKWW- Interkulturelle Kompetenz für Wirtschaft und Wissenschaft, einen Dienstleister, der Ihnen hilft, die handelnde Personen im Zielmarkt besser zu verstehen und bei Exportgeschäften oder Joint-Ventures schneller und nachhaltiger zum Erfolg zu gelangen: www.interkulturell.eu/leistungen

Wie bei jedem internationalen d.h. interkulturellen Geschäft sind bei Export-Import-Projekten Konflikte geradezu „natürlich“, sprich vorprogrammiert, können aber im Vorfeld vermieden werden, und – wenn sie doch entstehen oder schon entstanden sind – mit Instrumenten des interkulturellen Managements gelöst und so dennoch zu unerwarteten Erfolgen führen. Wie das geht? Die Antwort darauf gibt mein eintägiger Workshop am 19. November 2012 in Berlin.

 

Seminar „Konfliktvermeidung und – Lösung im internationalen Geschäft“:         fundiert, praxisnah, für das Management

Im Workshop werden theoretische Kenntnisse zu Aha-Erlebnissen bei der Analyse von Erfahrungen, die die Teilnehmer im internationalen Business bereits gemacht haben. Außerdem werden die Teilnehmer das Rüstzeug für zukünftige Situationen und Projekte bekommen, konkrete Ideen und Verbesserungsvorschläge für sich und für ihr Unternehmen generieren können. Ein praktischer Mehrwert ist garantiert!

Inhalte:

  1. Einführung / Vorstellungsrunde / Spielregeln

2. Das Konfliktmanagement beginnt mit der Konfliktvermeidung

–          Businesskultur versus Landeskultur versus einzelne handelnde Person

–          Wo und wann entsteht und eskaliert ein Konflikt? Eisbergmodell plus

–          Gemessene Landeskulturen. Sechs Kulturdimensionen von G. Hofstede als theoretische Basis zur Vermeidung kulturbedingter Konflikte

–           Zwei Kulturdimensionen nach E. Hall als theoretische Basis zur Vermeidung kulturbedingter Missverständnisse in der Kommunikation

–          Pragmatische Tipps zur Konfliktvermeidung im internationalen Geschäft und für international tätige Unternehmen

 

3. Konfliktmanagement

–         Kulturbedingte Konfliktstille

–          Konfliktphasen

–          „Konfliktfronten“ im Unternehmen bzw. nach Außen

–          Klassische Instrumente zur Lösung der Konflikte (Außer Gericht)

–          Viele „Sachkonflikte“ sind im Grunde kulturbedingte Missverständnisse.

Interkulturelle Extras zur Lösung der Konflikte

 

4. „Mach aus Zitrone Limonade“ (Carnegi) oder der Konflikt als Chance

–          Konflikte im internationalen Kontext sind vorprogrammiert

–          Von Geschäftsteilnehmern zur Geschäftsfreunden

–          Langfristige Orientierung nach innen und nach außen

5. Resümee/ Feedback/ Ausblick

 

Wann?  19. November 2012, von 10 bis 17 Uhr

Wo? Salon Bellevue im Hotel „Savoy“ Fasanenstraße 9  10623 Berlin,

10 min. vom Bahnhof Zoo entfernt, Seitenstraße vom Kurfürstendamm

 

Teilnehmergebühr in Höhe von 780 Euro beinhaltet die Seminarunterlagen, zwei Kaffeepausen und Mittagsessen im ausgezeichneten „Weinrot“ –Restaurant des Hotels „Savoy“ – dem Ort der Durchführung des Workshops.

 

Um intensive Arbeit im Seminar zu gewährleisten, ist die Anzahl der Teilnehmer konsequent auf 12 Teilnehmer begrenzt, es empfiehlt sich daher eine frühzeitige Anmeldung

per  Fax: 030 / 39 88 45 19 oder per Mail: info@interkulturell.eu.

Mit der Anmeldebestätigung erhalten Sie eine Rechnung, die im Voraus beglichen werden sollte. Die drei zuerst angemeldeten Teilnehmer erhalten als Willkommensgeschenk das Fachbuch zum Thema des Seminars.

 

Als weiterführende Maßnahme kann zusätzlich ein persönliches Coaching bei Irina Zlotina für den 20. November 2012 gebucht werden.  Details und Anmeldung unter: irina@interkulturell.eu sowie telefonisch unter 030 / 39 88 45 57

 

Für die Teilnehmer des Seminars ist ein Kontingent der Zimmer des gehobenen Standards zum günstigen Preis, in diesem traditionsreichen privat geführten Hotel im Herzen Berlin City West, eingerichtet.  www.hotel-savoy.com  Tel.: 030 / 52 00 55 742     Stichwort bei der Reservierung (bis zum 18. Oktober):  IKWW

 

Dozentin: Dipl. Wirtschaftsingenieurin und Expertin für interkulturelles Management, Fachbuchautorin, Trainerin und Coach Irina Zlotina, Berlin

Assistenz: MA Gudrun Dohse, Berlin, Beraterin für internationales Business für große und mittelständische Unternehmen

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EU-Krise? Jetzt erst recht: GO RUSSIA!

 

Warum Geschäft mit Russland sich gerade jetzt lohnt und wie das am besten konkret anzugehen ist

Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer fragte im Juni 2012 ihre rund 6.000 Mitglieder, welche Auswirkungen die Eurokrise auf ihr aktuelles Geschäft habe. Nur 9% beantworteten diese Frage mit „negativ“, die absolute Mehrheit bezeugte keine Auswirkung. Kein Wunder, denn der russische Markt ist nicht fest an den Euro gebunden, die Bankenfinanzierung spielt eine weit geringere Rolle als im Westen. Der lang verhandelte aber nun perfekte Beitritt Russlands zur WTO macht viele Geschäfte einfacher und die Geschäftsprozesse transparenter. Also gerade jetzt könnte der Export-Europameister Deutschland die Stagnation im EU Binnenmarkt mit Russland ausgleichen.

Dies gilt umso mehr für die mittelständischen Unternehmen. Schon jetzt sind 90% der Mitglieder deutsch-russische  AHK – Mittelständler. Tendenz steigend? Sehr wahrscheinlich! Die kleineren Unternehmen können sich einerseits keine „Durststrecke“ leisten, andererseits profitieren sie in der EU-Krisenzeit in den neuen Märkten von ihrer Flexibilität, den kurzen Entscheidungswegen und dem persönlichen Charakter der Geschäfte mit Russland.

Denn das russische Geschäft verträgt nicht das Personal-Karussell, das für große Unternehmen als „Job-Rotation“ eine heilige Kuh ist.   Kaum mit einem russischen Ansprechpartner  „warm“ geworden, übernimmt der deutsche Ansprechpartner eine Aufgabe in Fernosten oder in einer anderen Region des global tätigen Riesen. Das kann nicht nur zur Verzögerung im russischen Geschäft führen, sondern auch zu Verstimmungen; nach dem Motto „Wir sind ihnen nicht wichtig!“ Dabei sollte das Management keine Angst vor den „zu engen persönlichen“ Geschäftsbeziehungen zwischen seinen Mitarbeitern und den russischen Partnern haben. Gerade solche Geschäftsfreundschaften sind der beste Schutz für das Unternehmen vor Korruption. Diese These wurde von vielen meiner Kunden in der Praxis erprobt und bestätigt: stimmt die Chemie zwischen den Verhandlungs- oder Projektpartnern nicht, helfen keine Gelder der Welt das Geschäft erfolgreich zu gestalten; entsteht eine persönliche Beziehung, Geschäftsfreundschaft, ist der deutsche Partner beim Korruptionsrisiko außen vor, denn bei Freunden schnorrt man nicht!

So viel zu den Besonderheiten der russischen Wirtschaftspsychologie. Es gibt noch einen weiteren „weichen“ Faktor, der das Geschäft mit Russland in der Krisenzeit besonders erfolgsversprechend erscheinen läßt: Die Krisenfestigkeit der russischen Bevölkerung. Die Finanz- und Währungskrise in Europa ist ernsthaft, keine Frage. Im Vergleich zu den Umbrüchen und Wirtschaftskatastrophen, die die Russische und sowjetische Bevölkerung in den letzten 25 Jahren erlebt und überstanden hat, relativiert sich Wahrnehmung der aktuelle Situation in Europa. Ein krisenerprobter und krisenrobuster russischer Konsument lässt sich nicht so schnell aus der Fassung bringen, und seine – im Nachholbedarf begründete – Kauflaune verderben. Fast 80% der in Russland tätigen Unternehmen verzeichneten in den ersten fünf Monaten des Jahres 2012 einen Umsatzzuwachs.

Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen und kulturbedingte Besonderheiten russischer Manager und Konsumenten führen gerade jetzt zum Erfolg und lassen sich in Wachstum übersetzen.

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WTO heißt auf Russisch WTO, Import-Export – genauso, nur die Schreibweise trennt die Begriffe voneinander

Jedoch die Bewertung des Beitritts Russland zur Welthandelsorganisation ist unterschiedlich.

Die deutschen Manager und Wirtschaftsmedien vernehmen die Ratifizierung der Verträge durch die Duma mit Erleichterung.

Meldung in der Frankfurter Allgemeinen  vom 10. Juli: „Die russische Staatsduma hat am Dienstag mit den Stimmen von 238 der 447 anwesenden Abgeordneten dem Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) zugestimmt. Damit endet ein seit 1993 währender Verhandlungsmarathon. Russland ist das letzte große Schwellenland, das nun nach Ablauf von 30 Tagen in den Kreis der 155 WTO-Länder aufgenommen wird. Experten erwarten von dem Beitritt eine Stimulierung des Wettbewerbs, sinkende Preise, ein größeres Warenangebot, umfangreiche Liberalisierungen und Reformimpulse, Bürokratieabbau und nicht zuletzt einen gesicherten Rechtsrahmen, der das strapazierte Investitionsklima fördern und ausländische Geldgeber anlocken wird“.

Russische Medien sind da skeptisch und begründen ihren Pessimismus mit der Stimmung in der Wirtschaft und in Politik.

So berichtet beispielsweise die zentrale russische Wirtschaftszeitung Vedomosti ebenfalls am 10. Juli: „Die Abgeordneten haben über die Empfehlungen der Regierung zum Schutz der Interessen der einzelnen Branchen abgestimmt. Im Entwurf einer Verordnung der Staatsduma (liegt dieser Zeitung vor) waren 148 Empfehlungen — der betreffenden Branchen und der Wirtschaft insgesamt. Die Ideen sind — bis zur Revision der Steuerpolitik, zum Beispiel, der Ersatz der Mehrwertsteuer durch die Steuer auf Verkäufe. Die Abgeordneten sind im Begriff, den russischen Unternehmen aus den betroffenen Branchen die Präferenz bei den Staatseinkäufen anzubieten sowie Unterstützungen und verschiedene Ermäßigungen zu gewähren. Insbesondere muss ab dem Tag des Inkrafttretens des Protokolls über den WTO-Beitritt das vierteljährliche Monitoring geführt werden, z.B. über die Einfuhr der Waren, den Einfluss auf den Produktionsumfang  und über den Anteil am Binnenmarkt von ähnlichen Waren russischer Herkunft.“

Nicht umsonst versuchte der Leiter der russischen Delegation bei den Verhandlungen über Beitritt der Russischen Föderation zur WTO Maxim Medvedkov die Erwartungen der deutschen Manager zu dämpfen (Jahreskonferenz Russland in Berlin am 28. Juni 2012, wegweiser): „Beitritt Russlands zur WTO ist keine Revolution, sondern Evolution!“

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„Ausgerechnet Sibirien“ heißt der Film von Minu Barati, Ehefrau eines Nicht-Russenverstehers; und doch…

 

Stolz wie Oskar empfängt Ex-Außenminister Joschka Fischer die Gäste zur Prämiere des Films seiner jungen Ehefrau. Der, der als „Gegengewicht“ – mit seinem ganzen Gewicht – zum Russland-Fan Gerhard Schröder angesehen wird. Letzterer ist als Vorsitzender des Aktionärausschußes der Nord Stream (Gazprom-Projekt) weit erfolgreicher als Joschka Fischer – in seiner Lobbiistenfuktion für die konkurrierende Erdgasleitung Nabucco (EU Darling). Durch die  Nord Stream fließt bereits russisches Gas nach Deutschland und Europa, Nabucco fehlt das Gas, sogar auf dem Papier: kein Liefervertrag mit Aserbaidschan oder Kasachstan. Und – Keiner in Sicht.

Aber Fischer wäre nicht Fischer, wenn er das nicht halb-philosophisch halb-humorvoll nehmen würde. Zumindest im Wettstreit um die junge attraktive und erfolgreiche Ehefrau, hat er Schröder geschlagen. Denn, Minu Barati hat nicht nur irgendwie Film studiert, sie hat – wenn auch mit „netzwerkerischer“ Unterstützung ihres Mannes - ein Filmprojekt realisiert. Und der Film ist gut geworden: witzig und klug.

So ist mein persönlicher Urteil. Mein Nachbar im Kino der Kunstbrauerei in Berlin – ein Journalist, der in Moskau zur Schule ging weil sein Vater als Journalist in Moskau arbeitete, lacht sich krumm während des Films. Sagt aber im small talk danach: „Nicht so toll: zu viele Stereotypen“.

Gewiss, das Drehbuch und seine visuelle Umsetzung sind voll von Stereotypen. Aber: erstens, fair verteilt zwischen Deutschen und Russen. Zweitens, stimmen die meisten Stereotypen des Films und lassen die Situationen dadurch wiedererkennbar werden, wenn auch auf die Spitze getrieben. Deswegen drittens: gerade durch die Überzeichnung, durch das „dick Aufmalen“ lassen sich Stereotype am besten bekämpfen.

Zumindest gewinnen diesen Kampf sowohl der Textillogistiker aus Leverkusen, der nach Sibirien reisen muss (Joachim Krol) als auch seine russisch-somische Sängerin (Julia Man): Beide dringen durch die stereotype Oberfläche durch und erkennen den Menschen in einander. Liebe hilft sicher dabei. Einfache Empathie tut es auch.

Weitere Filmtipps – unter web-adds unseres Buches „Russenversteher“: www.kiehl.de/russsenversteher

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Überraschungen gegen Stereotype im internationalen Geschäft am Beispiel: Russen und Buddha

Das sind die berühmten Zufälle, die keine Zufälle sind! Praktisch gleichzeitig las ich ein Artikel in der Beilage zur Süddeutschen Zeitung „Russland heute“ über den neuen buddhistischen Tempel in Russland, sah einen Film bei der Berlinale „Nachfahren von Dschingis Khan“ und lernte die Arbeiten von Daschi Namdakov kennen. Alles in einem – die Belohnung für das Thema, das ich für Geschäftsbeziehungen mit Rusland und GUS Staaten propagiere: Russland ist vielfältiger als man denkt! (Siehe Seminarbeschreibung: http://www.interkulturell.eu/leistungen/)

Russland ist groß und vielfältig. Die buddhistische Kultur steht nur stellvertretend für alle Religionen, die in Russland praktiziert werden. Die Kalmykien, Mongolen und Burjaten stehen nur stellvertretend für über 100 Nationen und nationale Gruppen, die auf dem russischen Territorium leben. Also: Russen sind nicht gleich Russen und das soll in der persönlichen Ansprache und der täglichen Zusammenarbeit berücksichtigt werden.

Zurück zu russischen Buddhisten. „Buddha möge uns schützen“, – titelt „Russland heute“ einen Artikel über die Einweihung des buddhistischen Tempels in Elista, der Hauptstadt der autonomen Republik Kalmykien, die nicht in Sibirien, sondern in der Wolga-Steppe, 1000 Kilometer südlich von Moskau liegt.

Auf dem Bild ist eine überdimensionale Pagode zu sehen, die eine neun Meter hohe Statue von Buddha beherbergt. Um China nicht zu brüskieren, ist die Einreise von Dalai Lama von der russischen Regierung nicht erlaubt worden, jedoch sind 30 Mönche aus Tibet da, um der Zeremonie Glanz zu verleihen. Auch Authentizität? Denn zur Sowjetzeit war der Buddhismus – so wie alle Religionen – verpönt, zur Stalinzeit gar lebensgefährlich. Mit Ausbruch des 2.Weltkrieges waren viele nationale Minderheiten, so auch die Kalmykien, dem Generalverdacht ausgesetzt, die „fünfte Kolonne“ zu sein, illoyal zu Russland! Das Ergebnis: Deportationen nach Sibirien, die viele mit dem Leben bezahlten. Der physischen Rückkehr nach Kalmykien folgt jetzt auch die geistige Rückbesinnung zu den religiösen Wurzeln ihrer Vorfahren.

Wie der Buddhismus in Russland vor der Gleichschaltung durch Lenin und Stalin aussah, konnten die Besucher der diesjährigen Berlinale im Film „Potomok Tschingis Chana“ erleben. Die Retrospektive „Die rote Traumfabrik“ beschäftigte sich (und sehr viele Zuschauer!) mit den alten sowjetischen Filmen – neben dem hier bekannten Sergei Eisenstein auch mit Verve von Wsewolod Pudowkin. Der Regisseur drehte 1928 in Werchne Udinsk, Burjatien. Er schrieb: «… Ich bin davon fern, den Film „Nachkomme des Tschingis-Khans“ als mein erfolgsreichstes Werk zu sehen, aber die Bedingungen, in denen ich arbeitete, waren wirklich Erfolg bringend für meine schöpferische Praxis. Ich bin an neue, mir ganz unbekannte Stellen gefahren, ich traf mich mit mir völlig unbekannten Menschen. Ich hatte kein im Voraus erdachtes Drehbuch, es existierte lediglich ein grobes Inhaltsgerüst. Das Drehbuch wuchs zusammen mit den lebendigen Beobachtungen. Ich erinnere mich, wie wir die riesigen Hochebenen der Burjate-Mongolei überquerend, das Auto immer wieder anhielten, um die uns plötzlich begegnenden Eindrücke zu fotografieren: die genrehaften Haushaltsbilder, sogar noch nicht wissend, welche Stelle sie im zukünftigen Film einnehmen werden…»

An den Aufnahmen des Filmes nahmen die Ortsbewohner, die Teilnehmer der Partisanenbewegung Burjatiens, Nomaden und Hirten, tausende Reiter aus der Region und „echte“ Lamas teil. Eine der Episoden des Filmes ist im Buddhistischen Kloster Tamtschinski aufgenommen. Die einzigartigen und sehr authentischen Bilder haben immer noch großen ethnographischen Wert, und sorgten gleichzeitig dafür, dass dieser, wenn auch propagandistische Film, aus Respekt gegenüber der Religion, zur Sowjetzeit nicht in den Kinos lief. Man kann ihn übrigens im Internet ohne Verletzung des Copyrights unter dem Titel „Sturm über Asien“ anschauen.

Nicht nur „ethnographisch“ wertvoll, sondern höchst aktuell sind die Plastiken des 1967 in der Tschita-Region, nahe zur chinesischen Grenze geborenen Daschi Namdakov. Der Nachfahren von Lamas und Kriegern verbindet die buddhistische Kultur mit der lokalen schamanischen Tradition und drückt all das mit modernen europäischen Techniken aus. Ein wahres Synergiebündel zwischen Ost und West. Und in diesem Sinne – ein wahrer Russe.

Links: www.russland-heute.de

http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126334

http://www.youtube.com/watch?v=ZMEFvFOVgDA&feature=related

http://www.dashi-art.com/

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Überraschungen gegen Stereotype

 

Sie sind nicht zu übersehen; Sie sind nicht zu unterschätzen! Zum Internationalen Frauentag 8.März (mein Artikel ist veröffentlicht im Ost-West-Kontakt OWC)

Achtung! Gefahr vom Osten: russische Frauen kleiden sich ungewöhnlich weiblich, aber im Geschäft sind sie knallhart. Das irritiert gleichermaßen männliche wie weibliche Deutsche. Aus Sicht der russischen Frauen können sie sich das „leisten“, ihre Weiblichkeit zur Schau zu stellen, denn sie fühlen sich so weit emanzipiert, dass sie es nicht nötig haben, sich den männlichen Erscheinungsnormen anzupassen. Hinzu kommt, dass die meisten Russen viel Wert auf Kleidung und Äußeres legen – sowohl Frauen als auch Männer.

Aber nicht zu äußerlich verhalten sich russische Frauen im Businessbereich anders als ihre Geschlechtsgenossinnen hierzulande. Ihre Teilnahme am Geschäftsleben ist einerseits offenkundiger, andererseits subtiler; aber auf jeden Fall größer als der der Frauen in Deutschland. Grund genug, anlässlich des Internationalen Frauentag diesem Thema nachzugehen.

Geschichte der russischen Emanzipation

In Russland wird der Internationale Frauentag erst seit 1913 gefeiert, seit 1966 ist es ein offizieller Feiertag in der Sowjetunion, und Russland hat diese Tradition im Jahre 2002 übernommen. Weitere Beispiele für Länder, wo sowohl Frauen als auch Männer an diesem Tag frei haben: Turkmenistan, Kuba, Nepal.  In China und auf Madagaskar haben nur Frauen an diesem Tag frei.

Zurück nach Russland. Die Emanzipation in Russland ist fast 100 Jahre alt. Es war Lenins Ehefrau, Gefährtin und Kameradin Nadeschda Konstantinowna Krupskaja, die die Gleichberechtigung der Geschlechter nach der Oktoberrevolution 1917 in einem Gesetz verankern ließ. In der Ehe mit dem späteren Führer Russlands lebte die Lehrerin, die mehrere Fremdsprachen beherrschte, die Gleichberechtigung vor. Ihr politisches Programm, das Krupskaja „Die arbeitende Frau“ nannte, wurde übrigens erstmals in München, im Jahre 1901, gedruckt.

Das Ideal der selbstständigen Frau, die aus freien Stücken, ohne finanzielle Not oder aus einem Anlehnungsbedürfnis heraus, eine Partnerschaft mit einem Mann einging, führte „zwangsläufig“ dazu, dass die Frau eine gute Ausbildung genießen und dementsprechend gleichwertige Arbeiten übernehmen konnte. Der Haushalt sollte von beiden bestritten werden, wobei der Staat durch die Bereitstellung von großen und preiswerten Reinigungsbetrieben und Küchen-Fabriken für Erleichterungen im Alltag sorgte. Mit der Arbeitsteilung im Haushalt und bei der Kindererziehung hapert es noch, in Sachen Ausbildung, Professionalität, sowie der Selbstverständlichkeit eines hochqualifizierten Jobangebotes für Frauen – das hat die russische Gesellschaft inne, und zwar seit Generationen.

Es ist ganz selbstverständlich, dass es an den technischen Universitäten die gleiche Anzahl von männlichen und weiblichen Studentinnen gibt. Ingenieurinnen sind in Russland keine Exotinnen wie in Deutschland, insbesondere in den westlichen Bundesländern. Russische Frauen machen Karriere nicht nur in hierzulande „typisch weiblichen“ Bereichen, wie Personal, Finanzen, Recht, sondern leiten auch Strategiedepartments, verantworten Technologie, EDV oder Qualitätsmanagement.

 

Gender auf Russisch in der Praxis

Zwei Beispiele: Im Weltall sind russische Frauen zwar weniger unterwegs als ihre männlichen Kollegen, aber immerhin weit mehr als ihre ausländischen Kolleginnen. Valentina Tereschkowa war 1963 die erste Kosmonautin. Swetlana Sawizkaja war zweimal im All und sie war die erste Frau, die im offenen Weltraum gearbeitet hat. Elena Kondakowa war die erste Frau, die an einer langen Expedition in dem Weltall   im Jahre 1994 teilnahm. Übrigens, wie für viele Berufsbezeichnungen, gibt es in der russischen Sprache (grammatikalisch) für „Kosmonaut“ keine weibliche Form. Инженер, врач, профессор („inzhener, vratsch, professor“) gelten gleichermaßen für Ingenieure und Ingenieurinnen, Ärzte und Ärztinnen, Professoren und Professorinnen.

Ein anderes Beispiel: Sogar in einem Unternehmen, das aus deutscher Sichtweise  als konservativ gilt bzw. zumindest einer konservativen Brache zugeordnet wird, bei Gazprom, leitete bis vor kurzem als Vorstandsmitglied Frau Vlada Rusakova den Bereich Strategie. Die Achtundfünfzigjährige gutaussehende Ingenieurin ist aktuell als stellvertretende Vorstandsvorsitzende im Gespräch. Sie soll in Zukunft die perspektivische Entwicklung sowie die Projetentwicklung bei Gazprom verantworten (Forbes vom 18.01.2012).

Aus Sicht der deutschen Menschen, die beruflich mit russischen Menschen zu tun haben, sind solche Fälle, in denen eine Frau deutlich erkennbar Professionalität und Macht besitzt, die einfachsten. Viel komplizierter kann es werden, wenn vermeintlich machtlose, sprachlose, nur „hübsch anzusehende“ Frauen in der russischen Delegation sich als Frauen, die das Sagen haben, entpuppen. Werden sie vom westlichen Geschäftspartner unterschätzt (oder wird der Umgang mit ihnen so empfunden), entwickeln sie sich zu Göttinnen der Rache. Schlimmer noch: der als „stumpfer arroganter Macho“ abgestempelter Teilnehmer der deutschen Delegation wird unbarmherzig bekämpft – selten im offenen Kampf, also während der Verhandlungen, aber beim Formulieren des Protokolls oder spätestens beim Umsetzen bzw. Nichtumsetzen des Vereinbarten.

Deswegen: egal, was ein deutscher Manager von Frauenemanzipation hält, egal wie weiblich die russischen Spezialistinnen, Managerinnen, Übersetzerinnen aussehen; sie sollten die gleiche professionelle Wertschätzung erfahren, wie ihre männlichen Kollegen, ihre Meinung sollte erfragt werden, der Blickkontakt muss öfters hergestellt werden, auch auf das Risiko hin, dass der Blick in das Dekolleté gleiten könnte.  Dies ist verzeihlich, eine Nichtbeachtung der Person, Unterwertschätzung der Expertin – nicht!

Deutsche Frauen haben es hier normalerweise einfacher. Am besten versuchen sie  eine freundschaftliche, fast kumpelhafte Beziehung mit ihren russischen Kolleginnen aufzubauen. Ein Angebot des gemeinsamen Shoppings ist kein Fauxpas, sondern ein Vertrauensbeweis – und die Chance, miteinander wärmer zu werden, persönlicher. Es bedeutet keinen Zeitverlust, sondern ist eine Zeitinvestition in einer Geschäftsfreundschaft. Gut fürs Geschäft und gut für die deutschen Frauen, die hier einen „unfairen“ Wettbewerbsvorteil ihren männlichen Kollegen gegenüber umsetzen können.

8. März – Ihre große Chance!

Die Bedeutung des Internationalen Frauentages hat sich stark gewandelt: Aus einem Tag des Kampes für Frauenrechte wurde ein Tag der Verehrung der Frau als solche. An diesem Tag werden tonnenweise Blumen, Flusse von Parfüms und der eine oder andere Diamant verschenkt: an die Ehefrauen, Geliebten, Mütter, Töchter, Schwerstern. Von Ehemänner, Geliebten, Söhnen und Töchtern, Vätern und Brüdern. Auch männliche Kollegen, Chefs und Mitarbeiter müssen „ran“. Blumen sind das Mindeste, gute Pralinen  und französische Parfüms sind kein Tabu. Außerdem bereitet jedes mehr oder weniger ausgeprägte männliche „Kollektiv“ ein Unterhaltungsprogramm für die Arbeitskolleginnen. In allen Branchen und Bildungsschichten kann ein Konzert mit musikalischen, humoristischen und gar tänzerischen Darbietungen monatelang während der Arbeitszeit vorbereitet und am letzten Arbeitstag vor dem 8.März dargeboten werden.

Daraus resultieren folgende praktische Empfehlungen:

–       für Anfang März sollten keine Verhandlungen und Arbeitstreffen geplant werden, deren Vorbereitungen viel Zeitinvestition auf russischer Seite erfordern,

–       alle russischen Kolleginnen und Geschäftspartnerinnen sollten an diesem Tag gratuliert oder besser beschenkt werden: Blumenpost, Versand von Süßigkeiten, zumindest sollte sie am 7. oder 9.März eine Blumenkarte erreichen. Westliche Geschäftsleute punkten umso mehr, weil es von ihnen nicht erwartet wird.

–       wenn am 8. März doch ein Meeting stattfinden muss, sollte es nach Möglichkeit in ein Geschäftsessen umgewandelt werden, an dem auf „Здоровье прекрасных дам!“ (das Wohl der schönen Frauen) geprostet wird, und zwar im Stehen. Dies würde sicher auch deutschen Frauen gut tun. Sie wiederum gratulieren ihren ausländischen Kolleginnen mit einer netten Mail oder einer Einladung zu einem Glas Sekt „между нами девочками“ (unter uns, Mädels).

Last but not least, spätestens am 8.März wird es getanzt, auch nach Geschäftsessen im Restaurant und auf einer Betriebsparty sowieso. Zum Beispiel mit Musik von Alla Pugacheva – DER russischen Frau!

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interkulturelle kompetenz – ein Muss und ein Genuss

Kennen Sie das? Eine beschwerliche Dienstreise ins Ausland vorbereitet, zur Dritt eine tolle Präsentation ausgearbeitet und schon nach fünf Minuten gemerkt: alles umsonst. Das Thema kommt nicht an. Sind die Leute da vor Ort so schwer vom Begriff? Ergebnis: Frust, Ärger und in ihrem Kopf für das dieses Land Gespeichertes: Nie wieder!

Schade eigentlich, denn so landen Sie in der Masse (bis zu 80%) von internationalen Geschäften, die entweder gleich am Anfang scheitern oder später nicht optimal verlaufen. Durch Missverständnisse. Große Missverständnisse, die mit kleinen Mitteln zu vermeiden oder auszuräumen wären. Vorausgesetzt, Sie empfinden grundsätzlich Empathie anderen Menschen und speziell den Menschen aus anderen Kulturen gegenüber. Und denken nicht über das interkulturelle Management: bloß Gelaber!

Interkulturelles Management ist der effektivste von allen soft skills

Sicherlich gehört interkulturelle Kompetenz zu den so genannten soft skills, die aber durch ihr soft-dasein nicht weniger effektiv sind. Unter „effektiv“ meine ich ganz hart gefiniertes Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen. Ihre Investition vor allem in Zeit bringt bald und dauerhaft Erfolg in Geschäften. Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Konkurrenten auch. Und: big fun!

Denn das macht Freude, die anderen Menschen – in ihrer Andersartigkeit kennenzulernen und dabei auch sich selbst und die eigene Kultur besser zu reflektieren. Das macht Spaß und sichert Erfolg, wenn die besten Arbeitsweisen aus mehreren Kulturen zum Einsatz kommen. Und das ist wie mit Fremdsprachenlernen: jede weitere Businesskultur wird leichter zu erlernen sein. Hier ist das Beispiel – das Deutsch-Russische Geschäftspaar. Geschäft mit Russen? Na klar: Wodka in Flüssen, Korruption, Unpünktlichkeit.

Jetzt versuchen wir die positiven Vorurteile aufzulisten – die übrigens auch nicht immer stimmen! – Gastfreundlich, gut im Improvisieren, Großzügig…

Die Stereotype als Fremdbilder haben ihre Berechtigung als in Kurzform gespeicherte Vorlage. Zwar nicht objektiv, oft verzerrt und überhöht. Aber eben hilfreich. Und irgendwie unvermeidbar. Die eigentliche Frage ist, ob unsere persönliche Erfahrungen mit einem konkreten Menschen aus seinem konkreten Kulturkreis diese vorgefertigte Bilder überschreiben können. Oder funktionieren sie als eine Art Sperre im Kopf, die jeder neuer Input gar nicht zulässt.

Einfaches Beispiel: einem deutschen Manager Volker wird in Moskau statt des von ihm erwarteten Wodka in Unmengen Glas guten französischen Weins angeboten. Was sagt er dazu nach seiner Rückkehr? spottisch: „mein Wladimir hat wohl sein Wodka schon weggesoffen“ oder verwunderlich: „es ändern sich wohl die Sitten in Russland“

Zwischen diesen zwei Reaktionen liegen Welten. Und – darüber kann ich jede Wette abschließen – der Grad der persönlichen Sympathie und gegenseitigen Achtung, und somit Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften erfolgreichen Beziehung zwischen Volker und Wladimir. Und zwischen den Firmen, für die sie arbeiten oder die ihnen gehören.

Interkulturelle Kompetenz – ein Muss

Theorie von Geert Hofstede

Ein holländischer Wissenschaftler Geert Hofstede hat versucht, die verschiedenen Kulturen zu messen und entwickelte ein System von Kulturdimensionen. Ich möchte heute nur ein Beispiel nennen, wo die Messwerte für Russen und Deutsche weit auseinander liegen: Machtdistanz. Sie zeigt, inwieweit weniger mächtige Individuen eine Ungleichheit der Macht akzeptieren und erwarten. Egal, wie Sie zum Machtzeigen stehen (vermutlich negativ, denn der Deutsche Wert mit 35 ist sogar niedriger als der für die Niederlande) müssen Sie damit leben können, dass der Boss in Russland seiner Macht bewusst ist und dass das nur wenige ihrer russischen Kollegen stört. Versuchen Sie aus Zitrone Limonade zu machen: Sie können sofort ganz genau sehen, wer auf der anderen Seite des Tisches das Sagen hat. Er wird einen ebenwürdigen Pendant erwarten und besonders respektvolle Behandlung. Aber so ist es eben berechenbar, und – erfolgsversprechender!

Hofstedische Dimensionen sind sicherlich nicht die ganze Wahrheit, aber ein guter Überblick, und zwar ein längerübergreifender und objektiver.

Noch mehr Theorie z.B. nach Hall (monochrome und polychrome Kulturen) können in die Praxis heruntergebrochen werden. Kognitiv – durch den Kopf in die Hände, aus dem Intellektuellen in das Tatkräfitge. Vorbei ohne HERZ geht es auch nicht: in internationalen Geschäftsbeziehungen ist Empathie die Schlüsselkompetenz!

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