Interkulturelle Unterschiede im Business und im Garten

 Garten in Russland ist nicht Garten in Deutschland

Die Popularität des Gartens wächst in Deutschland. Neue Tendenzen wie junge Paare im Schrebergarten oder Urlaub im eigenen Haus mit Garten, ermöglichen ein rasantes Wachstum der Gartenwirtschaft. Ebenfalls ein ökonomischer Faktor ist der Garten in Russland. Nur nicht für die professionellen Gärtner, sondern auch für die Gärtner, der meistens „Datscha“ genannten Refugien.

Eine repräsentative Umfrage (www.wciom.ru) vom Juli dieses Jahres, weist 3% der Gärtner als solche aus, die ihre Arbeit im Garten für ein Zusatzeinkommen durch den Verkauf ihrer Erzeugnisse sehen. 65% begründen ihre Arbeit auf der Datscha damit, dass die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in den Läden und auf dem Markt „Chemie“ von schlechter Qualität wären. 27% der Befragten meinen durch ihre eigene Ernte sparen zu können. Was die Umfrage nicht beleuchtet, aber dafür kann ich bürgen: kaum jemand in Russland würde einen Garten zum rein ästhetischen Vergnügen anlegen.

Nutzgarten: eine Frage der Definition

Neulich hatte ich zu Besuch in Berlin eine russische Wissenschaftlerin, die in Prag arbeitet. Zusammen besuchten wir die Liebermann-Villa am Wannsee. Mit einem sarkastischen Lächeln vernahm Frau Professorin, dass der Künstler seinen selbst geplanten und nun wiederhergestellten Garten als „Nutzgarten“ bezeichnete. „Diese zwei Kleckse Beeten mit Salat und Kräutern inmitten einer großzügigen Blumenpracht soll ein Nutzgarten sein? Bei uns in Russland wäre das Unnutzgarten heißen. Oder meinte er Nutzen für seine Gesundheit, darin zu arbeiten? Hat Liebermann seinen Garten selbst bewirtschaftet?“ Klar, Arbeit in der frischen Luft ist auch nützlich für Körper und Seele. Immerhin begründen 27% der besagten Studie ihre Arbeit auf der Datscha mit der Liebe zur Arbeit mit Mutter Erde, die meisten von ihnen – Einwohner mittelgroßer Städte.

Wie oft wie weit wie lange fahren?

Bei den Bewohner der Metropolen ist es die logistische Hürde, die sie von der Erde trennt: um aus der der Moskauer Innenstadt auf die Datscha rauszukommen, brauchen sie mindestens zwei Stunden Fahrzeit, am besten Samstags früh, wenn die Wahrscheinlichkeit von Staus gering ist. Auf der Rückkehr ist Stop-and-Go vorprogrammiert. Und wie oft fahren die Russen im Durchschnitt auf ihre Datschas: 11% – ein Paar Mal im Jahr, 26% bis 6 Mal im Monat, 30% – 2-3 Mal in der Woche, 16% – fast jeden Tag und 8% verbringen den ganzen Sommer auf der Datscha. Und noch eine Zahl: 40% der Russen haben eine Datscha!

Garten und Datscha als perfektes small talk Thema und der Weg zur Geschäftsfreundschaft

Wenn das nicht DAS Thema für einen small talk im Herbst wäre? Aber bitte fokussieren Sie sich dabei nicht auf Stauden oder auf englische Wiesen. Eine bewundernswerte Tomate oder zumindest gesunde Kräutersorten findet mehr Anklang bei ihrem russischen Gesprächspartner.

So ein small talk bringt sie näher, vielleicht soweit, dass Sie schon bei Ihrer nächsten Dienstreise nach Russland auf der Datscha empfangen werden. Unbedingt die Einladung annehmen, aber bitte die richtige Kleidung für den richtigen Nutzgarten nicht vergessen! Deutsche werden in Russland als fleißig und tüchtig bewundert, enttäuschen Sie nicht diese Erwartung. Und von Luftqualität außerhalb der großen Städte und von der körperlichen Betätigung profitieren Sie ebenso.

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