Überraschungen gegen Stereotype im internationalen Geschäft am Beispiel: Russen und Buddha

Das sind die berühmten Zufälle, die keine Zufälle sind! Praktisch gleichzeitig las ich ein Artikel in der Beilage zur Süddeutschen Zeitung „Russland heute“ über den neuen buddhistischen Tempel in Russland, sah einen Film bei der Berlinale „Nachfahren von Dschingis Khan“ und lernte die Arbeiten von Daschi Namdakov kennen. Alles in einem – die Belohnung für das Thema, das ich für Geschäftsbeziehungen mit Rusland und GUS Staaten propagiere: Russland ist vielfältiger als man denkt! (Siehe Seminarbeschreibung: http://www.interkulturell.eu/leistungen/)

Russland ist groß und vielfältig. Die buddhistische Kultur steht nur stellvertretend für alle Religionen, die in Russland praktiziert werden. Die Kalmykien, Mongolen und Burjaten stehen nur stellvertretend für über 100 Nationen und nationale Gruppen, die auf dem russischen Territorium leben. Also: Russen sind nicht gleich Russen und das soll in der persönlichen Ansprache und der täglichen Zusammenarbeit berücksichtigt werden.

Zurück zu russischen Buddhisten. „Buddha möge uns schützen“, – titelt „Russland heute“ einen Artikel über die Einweihung des buddhistischen Tempels in Elista, der Hauptstadt der autonomen Republik Kalmykien, die nicht in Sibirien, sondern in der Wolga-Steppe, 1000 Kilometer südlich von Moskau liegt.

Auf dem Bild ist eine überdimensionale Pagode zu sehen, die eine neun Meter hohe Statue von Buddha beherbergt. Um China nicht zu brüskieren, ist die Einreise von Dalai Lama von der russischen Regierung nicht erlaubt worden, jedoch sind 30 Mönche aus Tibet da, um der Zeremonie Glanz zu verleihen. Auch Authentizität? Denn zur Sowjetzeit war der Buddhismus – so wie alle Religionen – verpönt, zur Stalinzeit gar lebensgefährlich. Mit Ausbruch des 2.Weltkrieges waren viele nationale Minderheiten, so auch die Kalmykien, dem Generalverdacht ausgesetzt, die „fünfte Kolonne“ zu sein, illoyal zu Russland! Das Ergebnis: Deportationen nach Sibirien, die viele mit dem Leben bezahlten. Der physischen Rückkehr nach Kalmykien folgt jetzt auch die geistige Rückbesinnung zu den religiösen Wurzeln ihrer Vorfahren.

Wie der Buddhismus in Russland vor der Gleichschaltung durch Lenin und Stalin aussah, konnten die Besucher der diesjährigen Berlinale im Film „Potomok Tschingis Chana“ erleben. Die Retrospektive „Die rote Traumfabrik“ beschäftigte sich (und sehr viele Zuschauer!) mit den alten sowjetischen Filmen – neben dem hier bekannten Sergei Eisenstein auch mit Verve von Wsewolod Pudowkin. Der Regisseur drehte 1928 in Werchne Udinsk, Burjatien. Er schrieb: «… Ich bin davon fern, den Film „Nachkomme des Tschingis-Khans“ als mein erfolgsreichstes Werk zu sehen, aber die Bedingungen, in denen ich arbeitete, waren wirklich Erfolg bringend für meine schöpferische Praxis. Ich bin an neue, mir ganz unbekannte Stellen gefahren, ich traf mich mit mir völlig unbekannten Menschen. Ich hatte kein im Voraus erdachtes Drehbuch, es existierte lediglich ein grobes Inhaltsgerüst. Das Drehbuch wuchs zusammen mit den lebendigen Beobachtungen. Ich erinnere mich, wie wir die riesigen Hochebenen der Burjate-Mongolei überquerend, das Auto immer wieder anhielten, um die uns plötzlich begegnenden Eindrücke zu fotografieren: die genrehaften Haushaltsbilder, sogar noch nicht wissend, welche Stelle sie im zukünftigen Film einnehmen werden…»

An den Aufnahmen des Filmes nahmen die Ortsbewohner, die Teilnehmer der Partisanenbewegung Burjatiens, Nomaden und Hirten, tausende Reiter aus der Region und „echte“ Lamas teil. Eine der Episoden des Filmes ist im Buddhistischen Kloster Tamtschinski aufgenommen. Die einzigartigen und sehr authentischen Bilder haben immer noch großen ethnographischen Wert, und sorgten gleichzeitig dafür, dass dieser, wenn auch propagandistische Film, aus Respekt gegenüber der Religion, zur Sowjetzeit nicht in den Kinos lief. Man kann ihn übrigens im Internet ohne Verletzung des Copyrights unter dem Titel „Sturm über Asien“ anschauen.

Nicht nur „ethnographisch“ wertvoll, sondern höchst aktuell sind die Plastiken des 1967 in der Tschita-Region, nahe zur chinesischen Grenze geborenen Daschi Namdakov. Der Nachfahren von Lamas und Kriegern verbindet die buddhistische Kultur mit der lokalen schamanischen Tradition und drückt all das mit modernen europäischen Techniken aus. Ein wahres Synergiebündel zwischen Ost und West. Und in diesem Sinne – ein wahrer Russe.

Links: www.russland-heute.de

http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126334

http://www.youtube.com/watch?v=ZMEFvFOVgDA&feature=related

http://www.dashi-art.com/

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Überraschungen gegen Stereotype