Interkulturelle Kompetenz in Wort und Bild

WP_20150501_19_16_21_ProCaptain Slot und die Crew sagen „Ahoi!“ für die zweite Hälfte des Jahres – mit Kulturdimensionen als  „Kompass“  im internationalen Verhandeln, interkulturellen Projekt- und Konfliktmanagement. 

Schauen Sie sich gern das Video auf Youtube an, teilen Sie es und schreiben Sie mir unter: info@interkulturell.eu.

 

 

 

Ausgabe Mai 2010: RUSSISCHE FRAUEN IM BUSINESS

 Das Thema im Mai: Russische Frauen im Business

Achtung! Gefahr vom Osten: russische Frauen kleiden sich ungewöhnlich weiblich, aber im Geschäft sind sie knallhart. Das irritiert gleichermaßen männliche wie weibliche Deutsche. Aus Sicht der russischen Frauen können sie es sich „leisten“, ihre Weiblichkeit zur Schau zu stellen, denn sie fühlen sich emanzipiert und haben es nicht nötig, sich den männlichen Normen anzupassen. Hinzu kommt, dass die meisten Russen viel Wert auf Kleidung und Äußeres legen – sowohl Frauen als auch Männer.

 Aber zurück zu Frauen. Die tief sitzende Überzeugung, im Geschäft sind sie nicht die „Männer zweiter Klasse“, sondern „die Frauen, und das ist gut so!“ lässt sich im Business-Knigge wiederspiegeln. Sie dürfen, ja sollten, den russischen Frauen die Tür aufhalten, in den Mantel helfen, die Autotür aufmachen. Sie dürfen ihnen Komplimente machen ohne Angst wegen sexueller Belästigung verklagt zu werden. Sie können ihnen sogar die Hand küssen, vorausgesetzt, Sie können es. Bei Geschenken sollten jedoch nicht die „weiblichen“ Utensilien überreicht werden: Sollen Kosmetika etwa bedeuten, dass die Dame nicht genug gepflegt aussieht?! Auch bei russischen Geschäftsfrauen gilt ein richtig schönes Buch als die sicherste Empfehlung. Hochwertige Süßigkeiten sind auch denkbar, das wird im Familien- und Freundenkreis vernascht, vermischt mit Erzählungen über „diese süßen Deutschen“.

 Wenn Sie russische Geschäftsgäste in Deutschland empfangen, geben Sie dezent Ihren Gästen die Gelegenheit zum Shopping. Denken Sie daran, dass gute Marken in Moskau das Doppelte kosten, zusätzlich zum Verkehrsstress zum Feierabend – ein wahres Problem für die berufstätigen Frauen. Unschlagbar: ein gemeinsamer Gang über den Weihnachsmarkt. Russische Frauen lieben es Geld auszugeben für schöne und doch funktionale Sachen, um „das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden“. Russische Gäste beider Geschlechter werden mit großer Wahrscheinlichkeit einen Stop beim Tannenbaumschmuckstand machen. Und wenn Sie die Rechnung übernehmen und ihre Einkäufe als Geschenk der Firma deklarieren, werden Sie noch viele Jahre mit Dankbarkeit und Wärme bedacht.

 Daraus folgt, dass die beste Zeit für ein reguläres Jahrestreffen mit russischen Geschäftsfreunden – Anfang bis Mitte Dezember ist. Die wichtigste Geschenkszeit in Russland ist nicht Weihnachten, sondern das Neujahrfest, vom 31. Dezember auf den 1. Januar. Die Neujahresgrüße in Form von handgeschriebenen Karten, für Frauen – gern mit Tafeln hochwertiger Schokolade, können also ruhig nach Weihnachten hierzulande abgesendet werden. Besonders stark können Sie bei ihren russischen Geschäftspartnerinnen „punkten“, wenn Sie sie zum Frauentag, am 8. März, gratulieren. In Russland ist dieser Tag ein Feiertag, der mit der Zeit von jeglicher Ideologie frei geworden ist: Es wird die Frau als solche gefeiert und geehrt. An diesem Tag bekommen russische Frauen viele Blumen, aber eine japanische Karte mit getrockneter Blume oder blumiger Seidenmalerei wird mit Sicherheit gut ankommen. Sind ihre russischen Geschäftspartnerinnen an dem Tag bei Ihnen zu Gast, sollte auf die Frauen beim Mittag oder am Ende des Meetings mit Sekt angestoßen zu werden. Alle Herren stehen auf und der Sprecher ruft auf: „Zdorovje prekrasnuch dam!“ – „Auf das Wohl der schönen Damen!“ Dann kommen die Schnittblumen ins Spiel – gern Rosen, immer ungerade an der Zahl.

 Aber auch wenn die russischen Frauen Sie dann in ihr Herz geschlossen haben, sind Überraschungen nicht ausgeschlossen. So kann eine russische Expertin die ganze Verhandlung lang schweigen und kurz vor dem Protokollieren eine „kleine Frage“ leise stellen, die den ganzen Sachverhalt auf den Kopf stellt. Oder mit einem bezaubernden Lächeln auf dem Gesicht plötzlich laut werden, und bevor der Satz übersetzt wird, wissen Sie, was der bedeutet. „Mit mir nicht!“. Um so etwas zu vermeiden, binden sie alle weibliche Anwesenden proaktiv in das Geschehen ein, nehmen Sie öfter Blickkontakt auf, auch auf das Risiko hin, sie erblenden von ihrer Schönheit und verlieren sich in ihrem Dekolleté. Das wird ihnen gern verziehn, ein Übergehen – nie!

 Nächste Ausgabe im Juni: Urlaub als Small-Talk-Thema und als Stolperstein bei Projektplanung.