Ausgabe Juni 2010: DER URLAUB

 Juni -Thema:  Der Urlaub als Small-Talk Thema und ein Stolperstein bei der Projektplanung

 Die gute Nachricht ist: Ja, mit russischen Geschäftspartnern kann man über Urlaub reden!

Dies war nicht immer so, denn vor zwanzig Jahren, sogar noch vor zehn Jahren wären die Geschichten aus der schönen weiten und freien Welt noch auf Ablehnung gestoßen. Gedankengänge wie folgender wären wohl ziemlich wahrscheinlich gewesen: „Will der Gegenüber den Finger in die offene  Wunde, der räumlichen und freiheitlichen Beschränkung beim Reisen legen und damit die russische Seele weiter kränken?..“

Heute hat sich vieles jedoch verändert. Heutzutage reisen die „Russen“ mehr als jemals zuvor, dieses umso mehr als sie Generationen lang nur innerhalb des Sowjetischen Reiches oder sich innerhalb der Grenzen des Warschauer Paktes bewegen konnten. Eine ausgiebige Shoppingtour nach New York heutzutage ist schon für Mittelstand genau so denkbar und machbar wie ein dreiwöchiger Standurlaub auf den Malediven. 

Beim Smalltalk über den Urlaub können sie nahezu jedes Land ins Spiel bringen, jedoch sollten sie in jedem Fall die Reiseziele Türkei und Ägypten vermeiden, denn auch bei den kultivierten Russen sind diese Reiseziele  aufgrund der schlechten Gewohnheiten, die einige der russischen Landsleute an den Tag legen verpönt. Wenn Sie Pech haben, stehen Sie sogar einem Russen gegenüber, der selbst an diesen ausschweifenden Trinkgelagen teilgenommen hat oder aber Ihr Gesprächspartner meidet gerade dieses Thema, weil er sich seiner Landsleute für diese All-inklusiv-Trinkurlaube schämt.

Vielmehr Erfolg werden sie ernten, wenn sie den russischen Kollegen den einen oder anderen „Geheimtipp“  anvertrauen. So sind zum Beispiel, die Kanarischen Inseln bis jetzt noch nicht von den russischen Reiseveranstaltern erschlossen. Oder – und das rät Ihnen die Schreiberin dieser Zeilen – Sie erzählen über die vielen interessanten Reiseziele innerhalb Deutschlands. Das Preisniveau darf schon mal höher liegen, hier ist nur ein Beispiel für die Preisrelation: Ein Wellness-Wochenende im wunderbaren Spa- Bereich des Parkhotels Bremen für 150 € pro Übernachtung erscheint überhaupt nicht teuer im Vergleich zu 50 € für einen Besuch in der bekannten Moskauer Sauna „Sandunju“.

Ein unschlagbarer Vorteil von deutschen Reisezielen als Gesprächsthema ist, das sie damit dem russischen Ansprechpartner gleich eine Geschäftsreise nach Deutschland schmackhaft machen können.

Im Besonderen ist das Reiseziel Berlin als Favorit für die russischen Landsleute zu nennen. Eine sichere Sache ist z.B. ein Meeting in Berlin anzusetzen und dieses auf einen Donnerstag zu terminieren. In diesem Fall werden Ihre Ansprechpartner ihre Einladung dankbar annehmen und das Wochenende gleich privat dazu buchen. Gehen Sie dabei auf Nummer sicher, bringen Sie nicht Ihre russischen Geschäftspartner in die neuesten Schicki-Micki Szenerien dieser vielfältigen Stadt, planen Sie lieber Ihre Veranstaltung mit traditionsreichen Orten, wie dem Hotel „Steigenberger“ oder – und das ist mein Geheimtipp – dem Hotel „Savoy“ in der Fasanenstraße. Diese Örtlichkeiten haben hervorragendes Ambiente, das passende Niveau, sehr guten Service und bezahlbare Preise. Diese Orte bieten sich auch hervorragend für die anschließenden privaten Feiern an.

Dem Thema: „Berlin als Standort für Verhandlungen und Vertragsabschlüsse mit russischen Geschäftspartnern“ im August eine extra Ausgabe dieses Blogs gewidmet. Diese erscheint im August, denn erst dann macht es aus geschäftlicher Sicht erst wirklich Sinn, die zweite Hälfte des Jahres zu planen.

In Bezug auf zeitliche Planung der Zusammenarbeit sollte man wissen, dass von Juli bis Mitte September in Russland zwar weiter gearbeitet, aber nichts entschieden wird. Es ist zwar nicht üblich, die Betriebe für die Ferienwochen komplett stillzulegen, dennoch werden zu viele Experten vor Ort und vor allem die wirklichen Entscheider fehlen.

In Russland ist die Urlaubsplanung  immer noch sehr stark hierarchisch organisiert. Die schulpflichtigen Kinder haben in der Regel keinen Einfluss darauf. Für diese ist ohnehin traditionell gut gesorgt. Für die Kinder wird in sogenannten „Kinderlagern“ der Sommer organisiert, und es gibt viele hochspezialisierte Sommerschulen, in denen der Nachwuchs im Sommer gut versorgt und untergebracht ist. Den berufstätigen Eltern wird somit der „Rücken“ freigehalten.

Auch heute noch wird über die Urlaubszeit nach dem Rang der Erwachsenen in der Struktur des Unternehmens und der Behörde entscheiden. Dieser Umstand beginnt sich jedoch langsam zu verändern, es wird immer hin darüber diskutiert. Dies lässt vielleicht am besten und amüsantesten mit einem leicht derben Moskauer Witz illustrieren: Der Chef fragt den Untergebenen: „Mögen Sie warmen Vodka!“ – „Natürlich nicht!“ – „Mögen Sie schwitzende Frauen?“ – „Igitt!“ – „OK, dann nehmen Sie Ihren Jahresurlaub im Winter!“

Die nächste Ausgabe im Juli: Kleine Geschenke mit großer Wirkung