OSZE Deutschland Dialog

 

Steinmeier„Kultur des Dialogs – Dialog der Kultur“ – unter diesem Motto fand am 12. Januar die feierliche Zeremonie im Auswärtigen Amt in Berlin anlässlich der Übernahme des OSZE-Vorsitzes durch Deutschland statt. Der Untertitel „Verständigung und kultureller Austausch als Elemente von Sicherheit und Stabilität im OSZE-Raum“ und das Programm (musikalische Intermezzi und eine Podiumsdiskussion mit zwei Schriftstellerinnen und einem Philosophen) ließen keinen Zweifel daran: Bei dieser denkwürdigen Veranstaltung wird es nicht um Waffenstillstands-Kontrollen oder um militärische Konfliktlösungen gehen, sondern vielmehr um Kultur als „Waffe“ des Krisenmanagements.

Der Bundesminister des Auswärtigen sagte seine Rede trotz der jüngsten tragischen Ereignisse in Istanbul nicht ab, und er sprach auch nicht über Terrorismus und Krieg, sondern über Kultur – über jene Kultur, die Menschen jenseits der Schützengräben zusammenbringen soll: „Aus der Verschiedenheit der Herkunft entsteht Gemeinsamkeit in der Zukunft“, lautete seine Botschaft. Und: Deutschland knüpfe heute an den „Geist von Helsinki“ von 1975 an. Damals wurde unter der Ägide der Vorgänger-Organisation der OSZE, der KSZE, die Schlussakte von Helsinki zwischen den beiden deutschen Staaten verhandelt und von Helmut Schmidt und Erich Honecker am 1. August 1975 unterzeichnet.

Ob die Randnotiz der KSZE-Schlussakte über einen verstärkten kulturellen Austausch zwischen Ost- und Westeuropa zum Fall der Mauer und zur deutschen Einheit geführt hat, ist fraglich. Doch was tun, wenn Waffen als „letztes Mittel“ der Konfliktlösung nicht funktionieren? Kulturdialog, als „allerletztes Mittel“? Jawohl! Doch bitte nicht nur Ballett hier, Musikquartett da und Podiumsdiskussionen zwischen Intellektuellen dazwischen. Erstens erreichen solche elaborierten Formate nicht die breite Masse der Bevölkerung. Zweitens ist die „angelesene“ Geschichte zweier Länder, die sich im Konflikt befinden, oft selbst Teil der Konflikt-Politik – oder zumindest aufgrund seiner unterschiedlichen, oft gar gegensätzlichen Narrativen nicht sonderlich objektiv … und daher für einen konstruktiven Dialog eher hinderlich.

Was bleibt uns da als Ausweg? Letztlich nur ein Dialog der Kulturen im Sinne eines kulturÜBERgreifenden Dialogs! Denn jawohl: Mit einer solchen Philosophie der interkulturellen Kompetenz sollte es gelingen, von kulturellen Prägungen, kulturbedingten Stereotypen und einseitigen geschichtlichen Narrativen zu abstrahieren und persönliche DIAloge zu etablieren. Dann werden sicher auch fruchtbare POLYloge möglich, wie sie für die polyglotte OSZE nicht uninteressant sein sollten, und selbst interkulturelle MONOloge könnten hie und da mal nützliche Blüten treiben, um schwelende oder herrschende Konflikte zu entspannen oder gar zu lösen.

Foto: Der Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Frank-Walter Steinmeier. Archiv-Foto des IKWW vom Februar 2015.