Prof. Dr. K. Dominik über den „Russenversteher“

Grundauffassung zur Monographie Lütthans/Zlotina:

„Russenversteher“ (Kiehl-Verlag)

Mit der vorgelegten Monographie wird durch die Autorinnen ein grundsätzlicher und nachhaltiger Beitrag geleistet, wirtschaftspolitische, wirtschaftspraktische, wissenschaftliche und kulturelle Beziehhungen zum russischen Volk, zu den russischen Unternehmen, Einrichtungen, Organisationen und Institutionen sowie zum russischen Staat aufzubauen, zu pflegen und gezielt weiter zu entwickeln.

Vor diesem Hintergrund ist die Ausarbeitung in erster Linie für deutsch sprachige potenzielle kontakt- bzw. kooperationssuchende Unternehmen und Einrichtungen gedacht, um durch eine tiefgreifende Kenntnis der historisch gewachsenen ökonomischen, wissenschaftlichen und kulturellen Bedingungen den Aufbau unterschiedlicher Beziehungen zu Russland wirksam zu unterstützen.

Relevanz für Mittelstand

Aus dem Blickwinkel der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland sind die Darlegungen der Monographie vor allem für diejenigen Unternehmen relevant, die

 

–       den russischen Markt für ihre Produkte und ihr Leistungsangebot langfristig erschließen wollen,

 

–       den russischen Einkaufs- bzw. Beschaffungsmarkt zur Gewinnung leistungsfähiger Kooperationspartner nutzen wollen,

 

–       eine Unternehmensgründung in Russland beabsichtigen,

 

–       im Rahmen ihrer strategischen Entscheidungen zur Unternehmensentwicklung Outsourcing – Konzepte mit der russischen Wirtschaft verfolgen.

 

Da es sich hierbei überwiegend um strategische Prozesse und Entscheidungen handelt, bilden die Erkenntnisse der Monographie eine wesentliche Grundlage, derartige Projekte begründet vorzubereiten und die hierfür erforderlichen Beziehungen nachhaltig zu gestalten.

Als besonders vorteilhaft erweist sich die Gliederungsstruktur der Monographie. Für Wirtschaftspraktiker ist es vor allem wertvoll, dass die tiefgehende Gliederung das Beziehungsgefüge der Kultur sowie der Kulturdimensionen zur Wirtschaft und Wissenschaft dem Leser begründet vermittelt wird und damit spätere Arten und Formen der Kontakte und Beziehungen zu den russischen Menschen sowie den russischen Unternehmen, Einrichtungen und Organisationen entscheidend prägen können.

Russenversteher wird Multiplikatoren empfohlen

Die Fülle der Einzel- und Detailinformationen machen die Monographie zu einem Kompendium für den Aufbau und die weitere Qualifizierung deutsch-russischer Beziehungen unterschiedlicher Art. Vor diesem Hintergrund wird es für zweckmäßig angesehen und empfohlen

 

  • die Fachverbände gezielt über Ziel, Inhalt und Vorteile der Monographie zu informieren;

 

  • den Außenwirtschaftsbereich des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft direkt anzusprechen mit dem Ziel, auf entsprechenden Veranstaltungen die Monographie hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Gestaltung kooperativer Beziehungen vorzustellen;

 

  • auf weiteren Veranstaltungen der mittelständischen Wirtschaft (z. B. Unternehmerstammtische, regionale Fachveranstaltungen u. ä.) sollten die Erkenntnise der Monographie vorgestellt werden.

 

Aus den wirtschaftspraktischen Erfahrungen mit den Unternehmen der mittelständischen Wirtschaft wird es als vorteilhaft angesehen, im Zusammanhang mit dem Erscheinen der Monographie die Arbeiten weiterzuführen mit dem Ziel, modellhafte Informationsaussagen zu entwickeln, die den kooperationswilligen Unternehmer in die Lage versetzen, die erforderlichen Kontakte zu Unternehmen, Verbänden, Einrichtungen, Verwaltungen und Organisationen direkt und kurzfristig zu finden. Dazu wird empfohlen, bezogen auf die unterschiedlichen Kontakt- und Kooperationswünsche die zweckmäßigste Vorgehensweise aufzuzeigen.

 

Ausgangspunkt sollte hierbei ein Verzeichnis wichtiger Institutionen, Einrichtungen und Organisationen sein, die für eine Kontaktherstellung mit unterschiedlicher Zielsetzung von grundlegender Bedeutung sind. Danach sollten prinzipielle Vorgehensweisen dargestellt werden z. .B. für

 

  • eine beabsichtigte Unternehmensgründung in Russland (anzusprechende Verwaltungen, Einrichtungen, Berufsverbände und Banken);

 

  • eine geplante Beteiligung an einem russischen Unternehmen (dto.);

 

  • einen beabsichtigten Kauf eines russischen Unternehmens (dto.);

 

  • zur Gewinnung russischer Investoren für die deutsche Wirtschaft (dto.);

 

  • mögliche gemeinsame Forschungsprojekte (dto.);

 

  • mögliche gemeinsame kulturelle Aktivitäten.

 

Mit der Monographie wurde insgesamt ein äußerst wichtiger Schritt getan, die deutsch – russischen Beziehungen auf allen Gebieten auszubauen und nachhaltig zu entwickeln.

 

Prof. Dr. K. Dominik
Weitere Infos und Bestellmöglichkeit finden Sie hier: http://www.kiehl.de/produkte/kiehl_web_produkt_1247172.aspx

Überraschungen gegen Stereotype im internationalen Geschäft am Beispiel: Russen und Buddha

Das sind die berühmten Zufälle, die keine Zufälle sind! Praktisch gleichzeitig las ich ein Artikel in der Beilage zur Süddeutschen Zeitung „Russland heute“ über den neuen buddhistischen Tempel in Russland, sah einen Film bei der Berlinale „Nachfahren von Dschingis Khan“ und lernte die Arbeiten von Daschi Namdakov kennen. Alles in einem – die Belohnung für das Thema, das ich für Geschäftsbeziehungen mit Rusland und GUS Staaten propagiere: Russland ist vielfältiger als man denkt! (Siehe Seminarbeschreibung: http://www.interkulturell.eu/leistungen/)

Russland ist groß und vielfältig. Die buddhistische Kultur steht nur stellvertretend für alle Religionen, die in Russland praktiziert werden. Die Kalmykien, Mongolen und Burjaten stehen nur stellvertretend für über 100 Nationen und nationale Gruppen, die auf dem russischen Territorium leben. Also: Russen sind nicht gleich Russen und das soll in der persönlichen Ansprache und der täglichen Zusammenarbeit berücksichtigt werden.

Zurück zu russischen Buddhisten. „Buddha möge uns schützen“, – titelt „Russland heute“ einen Artikel über die Einweihung des buddhistischen Tempels in Elista, der Hauptstadt der autonomen Republik Kalmykien, die nicht in Sibirien, sondern in der Wolga-Steppe, 1000 Kilometer südlich von Moskau liegt.

Auf dem Bild ist eine überdimensionale Pagode zu sehen, die eine neun Meter hohe Statue von Buddha beherbergt. Um China nicht zu brüskieren, ist die Einreise von Dalai Lama von der russischen Regierung nicht erlaubt worden, jedoch sind 30 Mönche aus Tibet da, um der Zeremonie Glanz zu verleihen. Auch Authentizität? Denn zur Sowjetzeit war der Buddhismus – so wie alle Religionen – verpönt, zur Stalinzeit gar lebensgefährlich. Mit Ausbruch des 2.Weltkrieges waren viele nationale Minderheiten, so auch die Kalmykien, dem Generalverdacht ausgesetzt, die „fünfte Kolonne“ zu sein, illoyal zu Russland! Das Ergebnis: Deportationen nach Sibirien, die viele mit dem Leben bezahlten. Der physischen Rückkehr nach Kalmykien folgt jetzt auch die geistige Rückbesinnung zu den religiösen Wurzeln ihrer Vorfahren.

Wie der Buddhismus in Russland vor der Gleichschaltung durch Lenin und Stalin aussah, konnten die Besucher der diesjährigen Berlinale im Film „Potomok Tschingis Chana“ erleben. Die Retrospektive „Die rote Traumfabrik“ beschäftigte sich (und sehr viele Zuschauer!) mit den alten sowjetischen Filmen – neben dem hier bekannten Sergei Eisenstein auch mit Verve von Wsewolod Pudowkin. Der Regisseur drehte 1928 in Werchne Udinsk, Burjatien. Er schrieb: «… Ich bin davon fern, den Film „Nachkomme des Tschingis-Khans“ als mein erfolgsreichstes Werk zu sehen, aber die Bedingungen, in denen ich arbeitete, waren wirklich Erfolg bringend für meine schöpferische Praxis. Ich bin an neue, mir ganz unbekannte Stellen gefahren, ich traf mich mit mir völlig unbekannten Menschen. Ich hatte kein im Voraus erdachtes Drehbuch, es existierte lediglich ein grobes Inhaltsgerüst. Das Drehbuch wuchs zusammen mit den lebendigen Beobachtungen. Ich erinnere mich, wie wir die riesigen Hochebenen der Burjate-Mongolei überquerend, das Auto immer wieder anhielten, um die uns plötzlich begegnenden Eindrücke zu fotografieren: die genrehaften Haushaltsbilder, sogar noch nicht wissend, welche Stelle sie im zukünftigen Film einnehmen werden…»

An den Aufnahmen des Filmes nahmen die Ortsbewohner, die Teilnehmer der Partisanenbewegung Burjatiens, Nomaden und Hirten, tausende Reiter aus der Region und „echte“ Lamas teil. Eine der Episoden des Filmes ist im Buddhistischen Kloster Tamtschinski aufgenommen. Die einzigartigen und sehr authentischen Bilder haben immer noch großen ethnographischen Wert, und sorgten gleichzeitig dafür, dass dieser, wenn auch propagandistische Film, aus Respekt gegenüber der Religion, zur Sowjetzeit nicht in den Kinos lief. Man kann ihn übrigens im Internet ohne Verletzung des Copyrights unter dem Titel „Sturm über Asien“ anschauen.

Nicht nur „ethnographisch“ wertvoll, sondern höchst aktuell sind die Plastiken des 1967 in der Tschita-Region, nahe zur chinesischen Grenze geborenen Daschi Namdakov. Der Nachfahren von Lamas und Kriegern verbindet die buddhistische Kultur mit der lokalen schamanischen Tradition und drückt all das mit modernen europäischen Techniken aus. Ein wahres Synergiebündel zwischen Ost und West. Und in diesem Sinne – ein wahrer Russe.

Links: www.russland-heute.de

http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126334

http://www.youtube.com/watch?v=ZMEFvFOVgDA&feature=related

http://www.dashi-art.com/

Read more: www.interkulturell.eu

 

Überraschungen gegen Stereotype

 

Korruption in Russland: nicht „naturgegeben“!

Der Sommer ist vorbei und wir widmen uns hier dem Ernst des Lebens: dem Thema der Korruption in Russland.

Denn die Korruption in Russland, genauer gesagt, Angst vor dem – finanziell und legal – unkalkulierten Risiko, stellt eine der wichtigsten Barrieren für deutsche Unternehmen bei ihren Überlegungen in Richtung „Go East!“.

Historische Wurzeln

der Korruption liegen seit eh und je in den „Sparmassnahmen“ der russischen Zaren: Statt ihren Bediensteten ein vernünftiges Gehalt zu zahlen, ließ man sie für die Dienstleistungen vom Volk bezahlen. Erst Katharina die Große, die Russland von 1762 bis 1796 regierte, setzte dieser Praxis die Regel davor. Ohne nachhaltigen Erfolg, denn auch ihr Staatshaushalt war verschuldet und konnte die Beamten allein nicht ernähren. Außerdem setzte sich die Macht der Gewohnheit durch, welche die Zuwendungen an Beamte und andere Mächtigen – ob in Geld oder Naturalien – zu einer Selbstverständlichkeit machte. Das Nachhallen davon ist noch heute zu spüren: Eine alte Dame geht zum Arzt und sieht sich im Pflichte – trotz der kostenlosen medizinischen Versorgung – etwas mitzubringen. Weil sie als Rentnerin nur wenig Geld hat, nimmt sie ihr bestes Porzellanstück mit. Der Arztbesuch verläuft aus ihrer Sicht schlecht: „Doktor hat mich kaum angekuckt, geschweige untersucht. Wahrscheinlich hätte ich lieber zwei von diesen Figuren mitbringen müssen?…“

Korruption – muss nicht sein! Auch in Russland!!!

Gefühle und statistische Korruption

Und es ist wohl das Traurigste dabei: Die Selbstverständlichkeit, mit der – auch ohne Not – geschmiert wird. Das belegen Ergebnisse einer Studie „Korruption in Russland: nicht „naturgegeben“!“ weiterlesen