Und das nächste Sylvester kommt bestimmt: Geschenke an russische Geschäftsfreunde

Ja, lieber Leser meines Blogs, die Geschenke in Russland werden hauptsächlich zum Sylvester verschenkt, und nicht zu Weihnachten. Das ist der erste Unterschied im Geschenke schenken, der zwischen Deutschland und Russland besteht. Das kann auf der Plusliste verbucht werden: Ihre westliche Weihnachtspost kann genug Stress verursachen, und die Post nach Russland kann mit sieben Tagen „Verzug“ vorbereitet werden.

Vorsicht: russische Aberglauben!

Soweit so gut. Was weiter folgt, sind die negativen Punkte, ich nenne sie Tretmienen. Man ahnt nichts Böses, schenkt etwas von ganzem Herzen (oder aus dem Werbekatalog der Firma), und die Reaktion ist verhalten. Vielleicht war es zu „schäbig“? Oder – und das ist viel wahrscheinlicher – zu unpersönlich? Oder – und das ist der worst case des deutsch-russischen Missverständnisses – das von Ihnen Geschenkte trifft auf einen negativen Aberglaube. Auch ihre jung-dynamische Geschäftspartner aus Russland können in ihrem Inneren die unbewussten Programme tragen, die nichts Gutes verheißen, wenn ihnen zum Beispiel ein Messer (zum Streit), ein Tuch (zur Trennung), eine Uhr (ebenfalls zur Trennung) übergeben wird.

Was dann schenken?

Wie in vielen Bereichen der Kooperation mit russischen Geschäftspartnern ist das wichtigste: „Und das nächste Sylvester kommt bestimmt: Geschenke an russische Geschäftsfreunde“ weiterlesen

Korruption in Russland: nicht „naturgegeben“!

Der Sommer ist vorbei und wir widmen uns hier dem Ernst des Lebens: dem Thema der Korruption in Russland.

Denn die Korruption in Russland, genauer gesagt, Angst vor dem – finanziell und legal – unkalkulierten Risiko, stellt eine der wichtigsten Barrieren für deutsche Unternehmen bei ihren Überlegungen in Richtung „Go East!“.

Historische Wurzeln

der Korruption liegen seit eh und je in den „Sparmassnahmen“ der russischen Zaren: Statt ihren Bediensteten ein vernünftiges Gehalt zu zahlen, ließ man sie für die Dienstleistungen vom Volk bezahlen. Erst Katharina die Große, die Russland von 1762 bis 1796 regierte, setzte dieser Praxis die Regel davor. Ohne nachhaltigen Erfolg, denn auch ihr Staatshaushalt war verschuldet und konnte die Beamten allein nicht ernähren. Außerdem setzte sich die Macht der Gewohnheit durch, welche die Zuwendungen an Beamte und andere Mächtigen – ob in Geld oder Naturalien – zu einer Selbstverständlichkeit machte. Das Nachhallen davon ist noch heute zu spüren: Eine alte Dame geht zum Arzt und sieht sich im Pflichte – trotz der kostenlosen medizinischen Versorgung – etwas mitzubringen. Weil sie als Rentnerin nur wenig Geld hat, nimmt sie ihr bestes Porzellanstück mit. Der Arztbesuch verläuft aus ihrer Sicht schlecht: „Doktor hat mich kaum angekuckt, geschweige untersucht. Wahrscheinlich hätte ich lieber zwei von diesen Figuren mitbringen müssen?…“

Korruption – muss nicht sein! Auch in Russland!!!

Gefühle und statistische Korruption

Und es ist wohl das Traurigste dabei: Die Selbstverständlichkeit, mit der – auch ohne Not – geschmiert wird. Das belegen Ergebnisse einer Studie „Korruption in Russland: nicht „naturgegeben“!“ weiterlesen

Ausgabe Juli 2010: KLEINE GESCHENKE MIT GROSSER WIRKUNG / mehr dazu in einer extra-Ausgabe Mitte Oktober 2011

„Diese Russen! Alles müssen sie anders machen, und dazu noch zeitlich versetzt. Sogar Russische Weihnachten kommen später als bei uns!“

Könnte dieser Satz von Ihnen sein? Dann sind Sie hier genau richtig! Hier und jetzt. Bevor der nächste geschäftliche Kontakt mit einem russischen Partner ansteht, sollten Sie sich bewusst werden: Der stolze Russe verzeiht Hochnäsigkeit nie! Und wird das Geschäft zu blockieren wissen, denn das Persönliche kommt im russischen Business vor dem Sachlichen.  

Die kulturellen Unterschiede, die vereinfacht in Stereotypen ihren Ausdruck finden, sind ein Faktum. Die Frage ist, sollen sie bekämpft werden oder sollen sie akzeptiert, respektvoll studiert werden, die geschäftliche Kommunikation bereichern und die Geschäfte zu langfristigen Win-Win Konstellation entwickeln? Die Antwort liegt auf der Hand. Meine Aufgabe sehe ich darin, Ihnen in Bezug auf russisch-deutsche crosskulturelle Unterschiede meine Ideen und Erfahrungen und einfach nützliche Tipps aus zwanzig Jahren Berufserfahrung im multikulturellen Spannungsfeld zu geben. Ich berate Sie gern projektbezogen und individuell, bitte nehmen Sie mit mir Kontakt auf:

 telefonisch: 030  39 88 45 57 und elektronisch: irina@interkulturell.eu.

 Auf der Webseite gebe ich monatlich Einblicke in die verschiedenen Teilbereiche des deutsch-russischen geschäftlichen Dialogs. Das Thema in diesem Monat:

                                    Kleine Geschenke mit großer Wirkung

 Wie gesagt, im russischen Geschäftsleben spielt das Persönliche eine übergeordnete Rolle. Hier unterscheiden sich die russische und deutsche Businesskultur am deutlichsten. Sicher, von Ihnen vorbereitete Daten, Statistiken und Charts sind wichtig, aber die „Kür“ und auch Chance für langfristigen Erfolg liegen im zwischenmenschlichen Verständnis, Sympathie, „mit einander Können“. Auch in Russland und speziell dort gilt zum Beispiel der deutsche Spruch: „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.“

Zugegeben, das Wort „klein“ muss in diesem Kontext relativiert werden. Zum einen sind die Russen selbst sehr großzügig und spendabel, die Geschenke von russischen Geschäftsfreunden  – Mitbringsel nach Deutschland oder spontane Geschenke während Ihres Aufenthaltes in Russland – können schon zu einem „Zwang“ führen, ebenfalls großzügig zu beschenken. Folgen Sie diesem „Zwang“ ruhig, denn ein individuelles Geschenk ist in Russland keine Bestechung, sondern eine Herzensangelegenheit. Zum anderen ist das Beschenken des russischen Geschäftspartners einfach: als nicht-EU-Bürger muss er den Geschenkwert nicht versteuern, sie sind von der Grenze von 35 Euro mental befreit.

 Schenken – also – ja und unbedingt, aber was? Ich möchte hier mit einer „Negativliste“ anfangen. Aberglaube ist in Russland omnipräsent, sogar die jungen Leute, die darüber Scherze machen mögen, haben diese „No ways“ im Hinterkopf. Um auf Nummer sicher zu gehen und keine möglichen Tretminen in diesem Feld zu erwischen, empfehle ich Ihnen Folgendes NICHT zu schenken: Tücher, Uhren, Geldbörsen und scharfe Gegenstände.

Wenn Ihre Geschäftspartner Deutsch oder Englisch einigermaßen können oder fleißig lernen, empfiehlt sich ein Buch auf zwei Sprachen (zum Beispiel von Reclam „Russische Zaubermärchen“) oder eine DVD mit wenig Text und vielen schönen Bildern. Mein persönlicher Supertreffer war einmal ein Film zum Jubiläum vom KaDeWe. Seitdem kommt meine Geschäftspartnerin gern und oft nach Berlin – geschäftlich und privat – und der Ort für ein „Planungsgespräch“ ist auch klar: Austerntheke in der Feinschmeckeretage. Für die Geschäftspartner, die nur Russisch sprechen, empfiehlt sich ein Fotoalbum über Ihre Stadt und/oder Berlin: „Berlin geht immer!“, zu dieser Stadt haben alle Russen ein besonderes Verhältnis. Berlin ist sehr empfehlenswert als Ort für ein Arbeitstreffen mit dem russischen Geschäftspartner, auch wenn Ihr Unternehmen wo anders ansässig ist. Mehr dazu in der kommenden Ausgabe in diesem Blog. Aber so viel zum Thema: ein Fotoalbum über Berliner Architektur oder ein Museumsführer mit vielen Abbildungen (Nofretete ist in Russland sehr bekannt, also nehmen Sie ruhig ein Fotobuch vom Alten Museum) können Sie als eine Einladung nach Berlin überreichen. Und dann haben Sie schon die Frage nach einem Willkommensgeschenk beantwortet: ein Berliner Souvenir und eine Büste von Nofretete aus dem Museumsshop. Und immer im Zweifelsfall, auch in Russland gilt: „Книга – лучший подарок!“, zu Deutsch: „Das Buch ist das beste Geschenk“ .

 Wenn Sie Ihre Geschäftspartner schon besser kennen gelernt haben, ist eine Frage im Vorfeld eines Treffens in Russland, was Sie mitbringen dürfen bzw. was gerade gebraucht wird, vollkommen angebracht und überhaupt nicht peinlich. Auch wenn die Antwort „Danke, ich brauche im Moment nichts“ lautet, haben Sie damit gepunktet. Wenn ein konkreter Wunsch kommt – umso besser: echte Freunde helfen sich eben gegenseitig, ohne viele Worte drum herum. Zumindest in Russland ist es so.

 Und dann noch die Frage, wann schenken.

–       Nicht zu Weihnachten, sondern zum Neujahrsfest am 1. Januar

–       Geschenke an alle russischen Damen, ob Managerinnen, Sekretärinnen, Assistentinnen, Übersetzerinnen, ist ein Muss zum 8. März

–       Grundsätzlich bei jedem Treffen – ob in Russland als Mitbringsel oder hierzulande als Andenken an das von Ihnen organisierte Treffen

  „Не дорог подарок, дорога любовь!“ – sagt das russische Sprichwort, zu Deutsch: „ Nicht das Geschenk ist lieb und teuer, aber die Liebe!“

In diesem Sinne: viel Freude beim Schenken!

Ihre,

Irina Zlotina

Konrete Fragen und Anfragen für individuelle Beratung unter: irina@interkulturell.eu.  Beratung selbst kann persönlich, telefonisch oder per skype erfolgen.

Ausgabe Mai 2010: RUSSISCHE FRAUEN IM BUSINESS

 Das Thema im Mai: Russische Frauen im Business

Achtung! Gefahr vom Osten: russische Frauen kleiden sich ungewöhnlich weiblich, aber im Geschäft sind sie knallhart. Das irritiert gleichermaßen männliche wie weibliche Deutsche. Aus Sicht der russischen Frauen können sie es sich „leisten“, ihre Weiblichkeit zur Schau zu stellen, denn sie fühlen sich emanzipiert und haben es nicht nötig, sich den männlichen Normen anzupassen. Hinzu kommt, dass die meisten Russen viel Wert auf Kleidung und Äußeres legen – sowohl Frauen als auch Männer.

 Aber zurück zu Frauen. Die tief sitzende Überzeugung, im Geschäft sind sie nicht die „Männer zweiter Klasse“, sondern „die Frauen, und das ist gut so!“ lässt sich im Business-Knigge wiederspiegeln. Sie dürfen, ja sollten, den russischen Frauen die Tür aufhalten, in den Mantel helfen, die Autotür aufmachen. Sie dürfen ihnen Komplimente machen ohne Angst wegen sexueller Belästigung verklagt zu werden. Sie können ihnen sogar die Hand küssen, vorausgesetzt, Sie können es. Bei Geschenken sollten jedoch nicht die „weiblichen“ Utensilien überreicht werden: Sollen Kosmetika etwa bedeuten, dass die Dame nicht genug gepflegt aussieht?! Auch bei russischen Geschäftsfrauen gilt ein richtig schönes Buch als die sicherste Empfehlung. Hochwertige Süßigkeiten sind auch denkbar, das wird im Familien- und Freundenkreis vernascht, vermischt mit Erzählungen über „diese süßen Deutschen“.

 Wenn Sie russische Geschäftsgäste in Deutschland empfangen, geben Sie dezent Ihren Gästen die Gelegenheit zum Shopping. Denken Sie daran, dass gute Marken in Moskau das Doppelte kosten, zusätzlich zum Verkehrsstress zum Feierabend – ein wahres Problem für die berufstätigen Frauen. Unschlagbar: ein gemeinsamer Gang über den Weihnachsmarkt. Russische Frauen lieben es Geld auszugeben für schöne und doch funktionale Sachen, um „das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden“. Russische Gäste beider Geschlechter werden mit großer Wahrscheinlichkeit einen Stop beim Tannenbaumschmuckstand machen. Und wenn Sie die Rechnung übernehmen und ihre Einkäufe als Geschenk der Firma deklarieren, werden Sie noch viele Jahre mit Dankbarkeit und Wärme bedacht.

 Daraus folgt, dass die beste Zeit für ein reguläres Jahrestreffen mit russischen Geschäftsfreunden – Anfang bis Mitte Dezember ist. Die wichtigste Geschenkszeit in Russland ist nicht Weihnachten, sondern das Neujahrfest, vom 31. Dezember auf den 1. Januar. Die Neujahresgrüße in Form von handgeschriebenen Karten, für Frauen – gern mit Tafeln hochwertiger Schokolade, können also ruhig nach Weihnachten hierzulande abgesendet werden. Besonders stark können Sie bei ihren russischen Geschäftspartnerinnen „punkten“, wenn Sie sie zum Frauentag, am 8. März, gratulieren. In Russland ist dieser Tag ein Feiertag, der mit der Zeit von jeglicher Ideologie frei geworden ist: Es wird die Frau als solche gefeiert und geehrt. An diesem Tag bekommen russische Frauen viele Blumen, aber eine japanische Karte mit getrockneter Blume oder blumiger Seidenmalerei wird mit Sicherheit gut ankommen. Sind ihre russischen Geschäftspartnerinnen an dem Tag bei Ihnen zu Gast, sollte auf die Frauen beim Mittag oder am Ende des Meetings mit Sekt angestoßen zu werden. Alle Herren stehen auf und der Sprecher ruft auf: „Zdorovje prekrasnuch dam!“ – „Auf das Wohl der schönen Damen!“ Dann kommen die Schnittblumen ins Spiel – gern Rosen, immer ungerade an der Zahl.

 Aber auch wenn die russischen Frauen Sie dann in ihr Herz geschlossen haben, sind Überraschungen nicht ausgeschlossen. So kann eine russische Expertin die ganze Verhandlung lang schweigen und kurz vor dem Protokollieren eine „kleine Frage“ leise stellen, die den ganzen Sachverhalt auf den Kopf stellt. Oder mit einem bezaubernden Lächeln auf dem Gesicht plötzlich laut werden, und bevor der Satz übersetzt wird, wissen Sie, was der bedeutet. „Mit mir nicht!“. Um so etwas zu vermeiden, binden sie alle weibliche Anwesenden proaktiv in das Geschehen ein, nehmen Sie öfter Blickkontakt auf, auch auf das Risiko hin, sie erblenden von ihrer Schönheit und verlieren sich in ihrem Dekolleté. Das wird ihnen gern verziehn, ein Übergehen – nie!

 Nächste Ausgabe im Juni: Urlaub als Small-Talk-Thema und als Stolperstein bei Projektplanung.