EU-Krise? Jetzt erst recht: GO RUSSIA!

 

Warum Geschäft mit Russland sich gerade jetzt lohnt und wie das am besten konkret anzugehen ist

Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer fragte im Juni 2012 ihre rund 6.000 Mitglieder, welche Auswirkungen die Eurokrise auf ihr aktuelles Geschäft habe. Nur 9% beantworteten diese Frage mit „negativ“, die absolute Mehrheit bezeugte keine Auswirkung. Kein Wunder, denn der russische Markt ist nicht fest an den Euro gebunden, die Bankenfinanzierung spielt eine weit geringere Rolle als im Westen. Der lang verhandelte aber nun perfekte Beitritt Russlands zur WTO macht viele Geschäfte einfacher und die Geschäftsprozesse transparenter. Also gerade jetzt könnte der Export-Europameister Deutschland die Stagnation im EU Binnenmarkt mit Russland ausgleichen.

Dies gilt umso mehr für die mittelständischen Unternehmen. Schon jetzt sind 90% der Mitglieder deutsch-russische  AHK – Mittelständler. Tendenz steigend? Sehr wahrscheinlich! Die kleineren Unternehmen können sich einerseits keine „Durststrecke“ leisten, andererseits profitieren sie in der EU-Krisenzeit in den neuen Märkten von ihrer Flexibilität, den kurzen Entscheidungswegen und dem persönlichen Charakter der Geschäfte mit Russland.

Denn das russische Geschäft verträgt nicht das Personal-Karussell, das für große Unternehmen als „Job-Rotation“ eine heilige Kuh ist.   Kaum mit einem russischen Ansprechpartner  „warm“ geworden, übernimmt der deutsche Ansprechpartner eine Aufgabe in Fernosten oder in einer anderen Region des global tätigen Riesen. Das kann nicht nur zur Verzögerung im russischen Geschäft führen, sondern auch zu Verstimmungen; nach dem Motto „Wir sind ihnen nicht wichtig!“ Dabei sollte das Management keine Angst vor den „zu engen persönlichen“ Geschäftsbeziehungen zwischen seinen Mitarbeitern und den russischen Partnern haben. Gerade solche Geschäftsfreundschaften sind der beste Schutz für das Unternehmen vor Korruption. Diese These wurde von vielen meiner Kunden in der Praxis erprobt und bestätigt: stimmt die Chemie zwischen den Verhandlungs- oder Projektpartnern nicht, helfen keine Gelder der Welt das Geschäft erfolgreich zu gestalten; entsteht eine persönliche Beziehung, Geschäftsfreundschaft, ist der deutsche Partner beim Korruptionsrisiko außen vor, denn bei Freunden schnorrt man nicht!

So viel zu den Besonderheiten der russischen Wirtschaftspsychologie. Es gibt noch einen weiteren „weichen“ Faktor, der das Geschäft mit Russland in der Krisenzeit besonders erfolgsversprechend erscheinen läßt: Die Krisenfestigkeit der russischen Bevölkerung. Die Finanz- und Währungskrise in Europa ist ernsthaft, keine Frage. Im Vergleich zu den Umbrüchen und Wirtschaftskatastrophen, die die Russische und sowjetische Bevölkerung in den letzten 25 Jahren erlebt und überstanden hat, relativiert sich Wahrnehmung der aktuelle Situation in Europa. Ein krisenerprobter und krisenrobuster russischer Konsument lässt sich nicht so schnell aus der Fassung bringen, und seine – im Nachholbedarf begründete – Kauflaune verderben. Fast 80% der in Russland tätigen Unternehmen verzeichneten in den ersten fünf Monaten des Jahres 2012 einen Umsatzzuwachs.

Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen und kulturbedingte Besonderheiten russischer Manager und Konsumenten führen gerade jetzt zum Erfolg und lassen sich in Wachstum übersetzen.

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WTO heißt auf Russisch WTO, Import-Export – genauso, nur die Schreibweise trennt die Begriffe voneinander

Jedoch die Bewertung des Beitritts Russland zur Welthandelsorganisation ist unterschiedlich.

Die deutschen Manager und Wirtschaftsmedien vernehmen die Ratifizierung der Verträge durch die Duma mit Erleichterung.

Meldung in der Frankfurter Allgemeinen  vom 10. Juli: „Die russische Staatsduma hat am Dienstag mit den Stimmen von 238 der 447 anwesenden Abgeordneten dem Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) zugestimmt. Damit endet ein seit 1993 währender Verhandlungsmarathon. Russland ist das letzte große Schwellenland, das nun nach Ablauf von 30 Tagen in den Kreis der 155 WTO-Länder aufgenommen wird. Experten erwarten von dem Beitritt eine Stimulierung des Wettbewerbs, sinkende Preise, ein größeres Warenangebot, umfangreiche Liberalisierungen und Reformimpulse, Bürokratieabbau und nicht zuletzt einen gesicherten Rechtsrahmen, der das strapazierte Investitionsklima fördern und ausländische Geldgeber anlocken wird“.

Russische Medien sind da skeptisch und begründen ihren Pessimismus mit der Stimmung in der Wirtschaft und in Politik.

So berichtet beispielsweise die zentrale russische Wirtschaftszeitung Vedomosti ebenfalls am 10. Juli: „Die Abgeordneten haben über die Empfehlungen der Regierung zum Schutz der Interessen der einzelnen Branchen abgestimmt. Im Entwurf einer Verordnung der Staatsduma (liegt dieser Zeitung vor) waren 148 Empfehlungen — der betreffenden Branchen und der Wirtschaft insgesamt. Die Ideen sind — bis zur Revision der Steuerpolitik, zum Beispiel, der Ersatz der Mehrwertsteuer durch die Steuer auf Verkäufe. Die Abgeordneten sind im Begriff, den russischen Unternehmen aus den betroffenen Branchen die Präferenz bei den Staatseinkäufen anzubieten sowie Unterstützungen und verschiedene Ermäßigungen zu gewähren. Insbesondere muss ab dem Tag des Inkrafttretens des Protokolls über den WTO-Beitritt das vierteljährliche Monitoring geführt werden, z.B. über die Einfuhr der Waren, den Einfluss auf den Produktionsumfang  und über den Anteil am Binnenmarkt von ähnlichen Waren russischer Herkunft.“

Nicht umsonst versuchte der Leiter der russischen Delegation bei den Verhandlungen über Beitritt der Russischen Föderation zur WTO Maxim Medvedkov die Erwartungen der deutschen Manager zu dämpfen (Jahreskonferenz Russland in Berlin am 28. Juni 2012, wegweiser): „Beitritt Russlands zur WTO ist keine Revolution, sondern Evolution!“

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